Mitten unter den Armen

Das Stadtviertel Tondo am Rande von Manila. © Feix/Bistum Speyer

Mit Weihbischof Papillo fuhr ein Teil der Reisegruppe in das nahegelegene Stadtviertel Tondo. „Wenn du sagst, du kommst aus Tondo, dann schauen dich die Leute verwundert an“, so sagte es bald zu Beginn der zuständige Pfarrer für diese Pfarrei, die durch ihre Hafennähe eine große Fluktuation und auch Armut aufzeigt.

Der Weihbischof und der Pfarrer machten sich mit der halben Reisegruppe auf den Weg um deren große Pfarrkirche herum, um uns das Leben in der Pfarreiarbeit zu zeigen. Zuerst staunten alle: Wir wissen es, die Phillipinos sind katholisch. Daher werden die sieben Werktags- und dreizehn Sonntagsmessen rege besucht. Aber dass eine Pfarrei nicht nur aus der Eucharistiefeier besteht, wurde uns auch schnell bewusst gemacht.

In einem großen Raum wurden wir von vielen Frauen und Männern empfangen, die zum größten Teil auf der Straße leben. Viele Ehrenamtliche und die pastoralen Mitarbeiter samt Weihbischof machen es sich zur Aufgabe, mit ihnen das Leben zu teilen: immer wieder gemeinsam zu essen, sich ihrer Sorgen anzunehmen und um sie zu wissen. Die Mitarbeiter zu erleben war sehr bewegend. Neben einer Apotheke, einem Zahnarzt und einer Allgemeinarztpraxis, die von ehrenamtlichen Ärzten betrieben wird, durften wir auch bei den Menschen im Viertel selbst zu Gast sein. Es war berührend, wie Menschen, die fast nichts haben, uns mit einem Lächeln die Hand reichten und interessiert fragten, wie es einem geht. Im pulsierenden Leben um die Pfarrkirche herum durften wir auch erleben, dass der Pfarrer seine Mitglieder kannte: schnell zu diesem Markstand, an dem Trycyle vorbei auf ein kurzes Gespräch – voll im Alltag der vielen, vielen Menschen.

Eine Frage bleibt sicher nach dieser Erfahrung: Wann ist man denn als Mensch arm? Was ist Armut? Sind vielleicht nicht die Menschen, die materiell fast nichts haben, am Ende doch so reich?

Von Ralf Feix, Bistum Speyer

Hier finden Sie alle Beiträge des Reisetagebuchs im Überblick.

Über die Reise

Seit dem 15. August ist eine achtköpfige Gruppe aus dem Bistum Speyer für zwei Wochen unterwegs auf den Philippinen. Zusammen mit dem katholischen Hilfswerk Missio werden die Pfälzer Projekte und Partner des Hilfswerks besuchen und sich über das Engagement der Kirche in dem Inselstaat informieren. Die Reise dient der Vorbereitung des Monats der Weltmission im Oktober, bei dem in diesem Jahr die Philippinen im Mittelpunkt stehen. Die bundesweite Feier zum Sonntag der Weltmission findet am 23. Oktober im Speyerer Dom statt.

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