Vermittler zwischen den Fronten

Father Vany spricht ein Gebet mit den Soldaten auf Mindanao. © Bistum Speyer

Etwa alle fünf Kilometer durchfahren wir einen Checkpoint von Armee oder Polizei, angehalten werden wir aber nicht. Wir sind auf dem Weg von Kidapawan nach Cotabato, um Kardinal Erzbischof Quevedo zu treffen. Die Armee auf Mindanao, der zweitgrößten Insel im Süden der Philippinen, ist ohnehin über unsere Reise informiert, wie uns unser Fahrer und Reiseführer Father Vany, Ökonom der Diözese Cotabato, erklärt.

Hin und wieder greift er zum Handy, um unseren Standort an das Militär durchzugeben. Zum Mittagessen sind wir sogar in einem kleinen Armeestützpunkt eingeladen. Dort werden Fahrzeuge und Panzer repariert. Entlang der Straße sind jetzt viele Mädchen und Frauen mit Kopftuch zu sehen und auch ein paar große und kleine Moscheen. 60 Prozent der Bevölkerung hier sind Muslime oder Moro, wie sich die Muslime auf Mindanao nennen. 40 Prozent sind Christen.

Sicherheit gegen Segen?

Als wir an dem Armeestandort ankommen, wird der Seelsorger schon erwartet, denn die Soldaten legen Wert darauf, dass er mit ihnen ein Gebet spricht und vier neue Lastwagen segnet. Für uns eine ganz ungewohnte Erfahrung. Aber Father Vany kennt die Soldaten gut, weil er dort regelmäßig Gottesdienst feiert. Ein Geben und Nehmen zwischen Kirche und Armee? Sicherheit gegen Segen oder nur eine nette Geste? Aus unserer Perspektive schwer zu begreifen, aber uns fehlt auch das Wissen, wie vor Ort die Lage im Konflikt zwischen der Armee, die die Interessen der Regierung durchsetzt und Rebellengruppen, die für mehr Selbstbestimmung der Muslime auf der Insel kämpfen, wirklich ist. Wahrscheinlich ist ein Kontakt zur Armee wichtig, um im Konfliktfall vermitteln zu können.

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Kirche als Vermittlerin zwischen den Parteien

Kardinal Quevedo setzt sich für Frieden zwischen den verfeindeten Gruppen und für den interreligiösen Dialog auf Mindanao ein. Er hält deshalb auch Kontakt zu Rebellengruppen. Die Pfälzer kennen den Kardinal von einem Diözesanen Forum 2013, wo er engagiert über den Reformprozess Gemeindepastoral 2015 mitdiskutierte. Im Oktober wird er wieder zu Gast im Bistum sein, um die Pilgerreise nach Rom zu begleiten und am Weltmissionssonntag teilzunehmen.

Eigentlich war an diesem Tag geplant, dass wir zusammen mit ihm ein Lager einer der größten Rebellengruppen der Philippinen besuchen und den Führer der MILF, der Moro Islamic Liberation Front (Islamische Befreiungsfront der Moro)  treffen. Diese Gruppierung ist zu einem Friedensschluss mit der Regierung bereit. Kardinal Quevedo versucht zu vermitteln und den Friedensprozess zu fördern. Kurzfristig musste das Treffen aber ausfallen.

Eine Universität für Christen und Muslime

Aber wir lernen ein anderes „interreligiöses“ Arbeitsfeld der katholischen Kirche in Cotabato, der Stadt mit dem höchsten muslimischen Bevölkerungsanteil der Insel, kennen: die Notre Dame University. Gemeinsam mit dem Kardinal treffen wir dort die Vizepräsidentin der Hochschule, die uns etwas über die katholische Universität und die dazugehörigen Schule erzählt. Mehr als 60 Prozent der rund 6.000 Studentinnen und Studenten sind Muslime, darunter mehr Frauen als Männer. Das Studienangebot umfasst unter anderem Krankenpflege, Jura, Wirtschaft oder Ingenieurswissenschaften. Zum Programm gehören auch interreligiöse Einkehrtage oder andere spirituelle Angebote. Unter den Professorinnen und Professoren sind ebenfalls Muslime und Christen. Da die Ausbildung viel Geld kostet, gibt es ein Stipendienprogramm. Das gilt auch für die Schule, die zu dem Komplex gehört. Viele der Absolventen der Universität sind allerdings gezwungen, im Ausland zu arbeiten, weil es auf den Philippinen keinen Arbeitsplatz für sie gibt. Morgen geht es für die Reisegruppe per Flug zurück nach Manila.

Von Christine Wilke-Zech, Bistum Speyer

Hier finden Sie alle Beiträge des Reisetagebuchs im Überblick.

Über die Reise

Seit dem 15. August ist eine achtköpfige Gruppe aus dem Bistum Speyer für zwei Wochen unterwegs auf den Philippinen. Zusammen mit dem katholischen Hilfswerk Missio werden die Pfälzer Projekte und Partner des Hilfswerks besuchen und sich über das Engagement der Kirche in dem Inselstaat informieren. Die Reise dient der Vorbereitung des Monats der Weltmission im Oktober, bei dem in diesem Jahr die Philippinen im Mittelpunkt stehen. Die bundesweite Feier zum Sonntag der Weltmission findet am 23. Oktober im Speyerer Dom statt.

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