Ist Trump eine Chance für Mexiko?

Der Zug, der die Migranten an die Grenze zu den USA bringt, wird wegen der vielen Strapazen und der häufigen Unfälle nur „La Bestia“, die Bestie, genannt. ©Adveniat/Wilhelm

Reiner Wilhelm ist Referent beim Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat und zuständig für die Länder Mexiko, Venezuela und Bolivien. Der studierte Theologe befindet sich zurzeit auf seiner vierwöchigen Projektreise in Mexiko, wo er die von Adveniat unterstützen Projekte besucht und von vor Ort für den Adveniat-Blog schreibt. Natürlich geht es auch um die Frage: Was bedeutet die neue US-Regierung für Mexiko?

80 Prozent des Handels werden mit den USA abgewickelt, was zeigt, wie abhängig die mexikanische Wirtschaft vom großen Nachbarn ist. Viele der Mexikaner arbeiten legal wie illegal in den USA. Statistiken belegen, dass die Ausreise von Mexikanern in den vergangenen Jahren stark rückläufig ist und inzwischen die Zahl der Rückkehrer in ihre Heimat weit über den Ausreisenden liegt. Auch die Abschiebung von illegal in den USA lebenden Mexikanern ist eine Tatsache. Dennoch spielen für das Land die Überweisungen der Mexikaner aus den USA eine wichtige Rolle.

Der Erzbischof von Yucatán und frühere Bischof von Nuevo Laredo an der Grenze zu den USA, Mons. Gustavo Rodriguez, antwortete mir auf meine Frage nach der Zukunft des Landes: „Ich sehe in der Präsidentschaft von Trump auch eine Chance: Mexiko hat jetzt die Gelegenheit, sich aus der Umklammerung der USA zu befreien. Die Politik muss neue Märkte erschließen, wie der MERCOSUR, Asien oder Europa und endlich versuchen, auf eigenen Beinen zu stehen.“

Inwieweit die Politik in der Lage ist, dies zu tun, bleibt abzuwarten.

Was tun, Herr Präsident?

Donald Trump unterzeichnet das Dekret zur Fortsetzung des Mauerbaus, um dem amerikanischen Traum vieler Mexikaner und anderer Migranten ein Ende zu setzen. Sofort entbrannte in den sozialen Medien eine lebhafte Diskussion, ob der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto am 31. Januar zum Antrittsbesuch in die USA fahren sollte oder nicht. Die Mehrheit plädierte dafür, dass er zuhause bleiben sollte, weil der Bau der Mauer – eigentlich ein symbolischer Akt, denn sie existiert ja in weiten Teilen bereits – als unfreundlicher Akt angesehen wird.

Andere wollen mit diplomatischen Maßnahmen auf diese Handlungen reagieren, etwa indem man den Botschafter der USA einbestellt und den eigenen Botschafter abberufen und öffentlich protestieren sollte. Andere meinten, dass es wichtig sei, den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen. Schließlich sagte Peña Nieto den Besuch in den USA kurzfristig ab. Die Beziehungen zwischen Mexiko und den USA sind auf einem neuen Tiefpunkt angelangt. Dabei ist die Ankündigung eines erneuten Anstiegs der Benzinpreise im kommenden Monat eine weitere schlechte Nachricht, die in Mexiko die Runde macht.

La Bestia

Meine Adveniat-Projektreise in Mexiko führt mich weiter nach Playas, wenige Kilometer vor Palenque. Dort hat die Regierung mit Mitteln der USA eine Zollstation eingerichtet. Die Zöllner nehmen ihre Arbeit sehr genau: Jeder Fahrgast muss sein Gepäck aus dem Bus ausladen, dann damit zur Zollstelle gehen, wenn nötig deklarieren, die Gepäckstücke durch einen Scanner schieben und dann wieder in den Bus einladen.

Die mexikanische Regierung hat auf Drängen der USA an dieser Stelle die Zollstation eingerichtet, im Rahmen des „Plan Mérida“. Dieser geht auf eine Initiative der US-Regierung zur Bekämpfung des Drogenhandels in Süd- und Mittelamerika zurück. Die Zollstation liegt gut 200 Kilometer von der guatemaltekischen Grenze entfernt. Sie ist ein Witz. Auch, weil es mehrere Alternativstrecken nach Palenque gibt, ohne Zollkontrollen und frei befahrbar.

Aber besser, die USA investieren in den Bau und Unterhalt dieser Zollstation, als dass sie damit Waffen kaufen. Noch besser wäre es allerdings, die Gelder in Programme zu investieren, die den Menschen nachhaltig eine Zukunft in ihrer Heimat geben.

Von Palenque aus besteigen viele Migranten aus Zentralamerika den Zug, der sie an die Grenze zu den USA bringt. Wegen der vielen Strapazen und der häufigen Unfälle wird der Zug nur „La Bestia“, die Bestie, genannt.

Aus dem Adveniat-Blog von Reiner Wilhelm

©Adveniat

Reiner Wilhelm ist Mexiko-Referent beim Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat. Zurzeit befindet er sich auf Projektreise in Mexiko und berichtet von vor Ort. ©Adveniat

Reiner Wilhelm ist Referent beim Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat und zuständig für die Länder Mexiko, Venezuela und Bolivien. Der studierte Theologe befindet sich zurzeit auf seiner vierwöchigen Projektreise in Mexiko, wo er die von Adveniat unterstützen Projekte besucht und von vor Ort bloggt. Adveniat, das Lateinamerika-Hilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland, steht für kirchliches Engagement an den Rändern der Gesellschaft und an der Seite der Armen.

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