Ein Gefängnis namens Gute Laune

Neugierig und erfreut über unseren Besuch posieren die Schüler - kindlich verspielt. © Bistum Speyer

Singen befreit

Heute haben wir Father William zusammen mit Father Boniface und Father Emmanuel ins Gefängnis „Goedemoed“ (bedeutet: Gute Laune) in der Nähe von Aliwal begleitet. Er besucht dort jeden Donnerstag für jeweils eine Stunde zwei Gruppen in verschiedenen Gebäuden. Anschließend können die Häftlinge um ein Einzelgespräch bitten. Es war anfangs ein mulmiges Gefühl, durch viele verschlossene Türen in diesen Trakt zu kommen und dort auch keinen Wachmann dabei zu haben. Alle Gefangenen begrüßten uns jedoch so offen und mit dem landestypischen Handschlag, dass wir schnell die Scheu verloren.

Die jeweilige Stunde begann mit den üblichen Gesängen und freien Gebeten der Häftlinge. Anschließend wurde der Bibeltext aus dem Lukasevangelium vom reichen Prasser und vom armen Lazarus von Father William vorgelesen, und die Gefangenen konnten ihre Gedanken dazu äußern. Die erste Gruppe haben wir als sehr lebendig erlebt, sie sangen und beteten voller Hingabe und legten all ihre Gefühle mit hinein. Einer der Gefangenen, der früher Lehrer war und einen Banküberfall mit Mord begangenen hat, übersetzte jeweils in Xhosa oder Englisch.

Die zweite Gruppe hatte bereits ein Meeting mit einem freien Prediger gehabt, als wir ankamen. Der Prediger erzählte uns später, er gehöre keiner Kirche an, erzähle jedoch von Jesus und der Bibel.

Das Gespräch der Häftlinge mit Father William begann hier mit derselben Bibelstelle. Wir erlebten die Gefangenen verhaltener und deprimierter. Ihre Gebete wirkten auf uns verzweifelter und klagend. Auch wir wurden aufgefordert, uns an diesem Gespräch zu beteiligen und den Häftlingen Hoffnung zu geben. Das taten wir auf Englisch, so gut wir konnten. Sie reagierten durch Zustimmung und Beifall.

Singen verbindet

In der Klasse werden die ungestümen Jugendlichen zu interessierten Zuhörern. © Bistum Speyer

Bewegt und berührt von der Situation im Gefängnis fuhren wir weiter zu einer Primary School nach Herschel, in der eine der ehrenamtlichen Pfarrsekretärinnen „unserer“ Pfarrei als Rektorin arbeitet. Diese Schule besuchen 200 Jugendliche in der 8. und 9. Klasse, die auf ihren Schulabschluss von 5 Lehrern vorbereitet werden. Sie kommen in der Regel aus armen Familien, wobei einige sogar alleine leben. Die oft einzige Mahlzeit des Tages bekommen sie darum in der Frühstückspause in der Schule um 9 Uhr, um sich danach auf den Unterricht konzentrieren zu können. Das Essen wird von zwei ehrenamtlichen Köchinnen ab 6 Uhr zubereitet. Beim Besuch in den Klassen wurden wir mit frohen Gesängen, einem Tanz und einem Gedicht von den Jugendlichen begrüßt. Wir revanchierten uns mit einem Lied, in das wir Father William und die Schulleiterin mit einbezogen. Bevor wir uns verabschiedeten, erklang aus den Klassen unser Lied „Laudate omnes gentes“.

Singen berührt

Die Arbeitsgruppe „Palmsonntags-Gottesdienst“ überlegt, wie sie die Liturgie gestalten will. © Bistum Speyer

Auch die Palmprozession will geübt sein – wenn man den ganzen Gottesdienst ohne Priester gestalten muss …© Bistum Speyer

Am Nachmittag fand in Sterkspruit ein Workshop für Leader zur Vorbereitung der Gottesdienste der Kar- und Ostertage statt. Er war sehr praktisch gestaltet, was sicher bei den „Leadern“ nachhaltiger im Gedächtnis bleibt, als wenn sie nur im Gespräch darüber informiert worden wären. Auch hier waren wir von den Gesängen sehr beeindruckt – gerade sie hinterlassen einen nachhaltigen Eindruck. So geht ein weiterer Tag mit berührenden Erfahrungen zu Ende.

Von Gisela Rödel und Artur Kessler, Kundschafter des Bistums Speyer in Südafrika

 

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