Der Kreis schließt sich, der Kreis öffnet sich

Auch im Projekt Joe Gqabi fördert die Diözese Kinder aus ärmsten Verhältnissen. © Bistum Speyer

Am letzten Tag schließt sich für viele ein Kreis: Am Vormittag hatten wir eine Einheit mit Bischof Michael Wüstenberg, der im Oktober 2014 im Bistum Speyer war und unter anderem im Verlauf der Beratungen des Forums VI das pastorale Konzept der Diözese Aliwal vorgestellt hatte. Schon damals hatte er bei einigen unserer Gruppenmitglieder Neugier geweckt – wenngleich niemand ahnen konnte, dass diese Neugier durch eine Kundschafter-Reise gestillt werden würde.

Heute nun war Bischof Wüstenberg gleichzeitig in zwei Rollen: in der des Bischofs und der des langjährigen Mitarbeiters am Lumko-Pastoralinstitut. Glaubwürdig und authentisch legte er das Pastoralkonzept vor, das für ganz Südafrika entwickelt wurde und in seiner Diözese zielgerichtet umgesetzt wird. Allerdings ist Bischof Wüstenberg Realist und weiß, dass es Ungleichzeitigkeiten gibt.

Bischof Wüstenberg erklärt das Gemeindemodell der Diözese © Bistum Speyer

Den Gemeinden und Mitarbeitern, die sich noch schwer tun, lässt er eben etwas mehr Zeit und überfordert sie nicht, wenngleich er schon mit großer Leidenschaft und viel Herzblut für das Modell „Community of Communities – Gemeinschaft von Gemeinschaften“ wirbt, in dem alle Getauften und Gefirmten sich in ihrer Würde als Priester, Propheten und Könige einbringen können. So wird die Zusage verwirklicht, die in der Taufe jedem Christen gegeben wird, so wird die Kirche mehr und mehr geisterfüllt.

Einige Teilnehmer unserer Kundschafter-Gruppe erinnerten sich daran, dass Prof. Rudolf Ruppert, der langjährige Dozent für Pastoraltheologie am Speyerer Priesterseminar, schon in den 80er Jahren dieses Modell vorgestellt hatte – auch für sie schließt sich ein Kreis.

Bischof, Generalvikar und Schwestern freuen sich über unsere Geschenke – alle bekamen den Eisenberger Brotstempel © Bistum Speyer

Unerwarteter Besuch aus der Heimat

Ganz unerwartet besuchte uns aus dem Herz-Jesu-Kloster in Neustadt P. Horst Steppkes SCJ, der derzeitige Missionsprokurator der Herz-Jesu-Priester, der gerade seine Mitbrüder in Südafrika besucht. Die ersten Bischöfe der Diözese Aliwal kommen aus diesem Orden, in Südafrika wirkt noch P. Karl-Heinz Ofenloch SCJ, ein Sohn der Diözese Speyer aus dem Lambrechter Tal. Leider mussten sich die Herz-Jesu-Priester aus der Diözese Aliwal zurückziehen, auch hier schließt sich ein Kreis.

Der Kreis öffnet sich

Ein Teil der Kleinen Christlichen Gemeinschaft im Township © Bistum Speyer

Am Nachmittag waren wir zum letzten Mal in einer Gemeinde, diesmal in Joe Gqabi, einem Stadtteil von Aliwal, der nach dem ermordeten Politiker Joe Gqabi benannt wurde. Wieder konnten wir erleben, dass die wenigen Katholiken der Stadt nicht um sich selbst kreisen. Bibel-Teilen ist ein wichtiges Element im Leben der Gemeinde, ein anderes und genauso wichtiges ist das soziale Engagement: In bescheidenen Häusern bzw. in Bau-Containern sind ein Kindergarten, eine Schule, ein Gemeindesaal und eine Kirche untergebracht. Der Kindergarten und die Schule sind bewusst für alle Kinder des Viertels offen. Und diese brauchen die Zuwendung, die sie dort erfahren.

Hier öffnet sich der Kreis: Das pastorale Konzept der Diözese ist nicht nur ein schönes oder gar „frommes“ Papier – der Alltag zeigt, dass es umgesetzt werden kann und dass es sich bewährt: In den aktiven Gemeinden und Kleinen Christlichen Gemeinschaften wird die Not in der Nachbarschaft wahrgenommen. Immer wieder finden hier Menschen auch die Kraft, sich für die Mitmenschen zu engagieren.

Welche Kreise öffnen sich?

Unsere Gruppe mit den Gastgebern © Bistum Speyer

Die Nachbesprechung und Reflexion in unserer Gruppe war heute noch intensiver als sonst. Beim gemeinsamen Abendessen mit Bischof Wüstenberg, in der Abendandacht in der Kirche und dem anschließenden Gespräch wurde deutlich: Jede und jeder unserer Gruppe ist dankbar für die vielen Begegnungen und Erfahrungen. Die Kundschafter-Reise war klug und umsichtig vorbereitet und begleitet worden. Wir sind überzeugt, dass wir viele Impulse bekommen haben, die wir zuhause werbend vorstellen wollen. In einem Wortspiel, das uns schon länger begleitet, sagen wir selbstbewusst: „We inspire Speyer – Wir inspirieren Speyer“. Zuversichtlich werden wir morgen die Heimreise antreten. Wir fragen nicht, ob sich Kreise öffnen, sondern: „Welche Kreise werden sich öffnen?“

Von Alois Moos, Kundschafter des Bistums Speyer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.