Der Papst in Ägypten – eine Bilanz

Dominikaner warten auf den Papst. © Nadim K. Ammann

Der Freitag stand ganz im Zeichen der Ankunft des Papstes. Die Organisatoren waren noch stärker angespannt und jeder guckte, dass er rechtzeitig an seinen Ort kam, weil in Ägypten Zufahrtsstraßen gesperrt werden, wenn der Staatspräsident zum Flughafen fährt oder Staatsgäste durch die Stadt gefahren werden.

Vom Hotel wurden wir mit Bussen zum Tagungszentrum der Al-Azhar-Universität gefahren. In der Zwischenzeit fuhren die Patriarchen und Bischöfe zum Flughafen, um den Heiligen Vater zu empfangen.

Die ägyptischen Bischöfe warten auf den Papst. © Nadim K. Ammann

Im Saal traf ich nun auch die ägyptischen Bischöfe. Ihre Sitzplätze waren anderweitig vergeben worden und so dauerte es eine Weil, bis man ihnen neue zugewiesen hatte. Dann war es soweit: der Heilige Vater kam in Begleitung des Großimams Ahmed al Tayeb.

Schon bei der Ansprache des Papstes konnte man merken, um was es bei dem Besuch ging. Papst Franziskus kam als Pilger nach Ägypten. In das Land, in dem die heilige Familie Zuflucht gefunden hat, in das Land, in dem sein Namenspatron vor 800 Jahren den Sultan getroffen hat, in das Land, das nach Jahren der Unsicherheit nach neuer Stabilität sucht. Er appellierte an den Frieden und brachte seinen Willen zum Ausdruck, den Präsidenten, die Imame und die Kirchen in ihren Bemühungen um den Frieden zu unterstützen.

Präsident al-Sisi forderte alle Bürger Ägyptens auf, sich um den Aufbau der Nation zu bemühen und verurteilte die Gewalt. Insofern betonten alle, dass die Anschläge auf die Kirchen Anschläge gegen die Nation seien. Der Großimam begann die Begegnung dann auch mit einer Schweigeminute für alle Opfer von Terrorakten.

Scheich Ahmed al-Tayeb begrüßt Papst Franziskus © Nadim K. Ammann

Es war eine tolle Rede des Papstes vor den vielen Zuhörern. Während er sich mit dem Imam in das nahegelegene Hotel zum Empfang des Präsidenten begab, wollten die Bischöfe direkt zum Koptisch-Orthodoxen Patriarchat fahren, um beim Höflichkeitsbesuch von Papst Franziskus bei Seiner Heiligkeit Papst Tawadros II. dabei zu sein.

Mir war ein Fahrzeug zugesagt worden, das aber dann nicht da war und weil die Formalitäten länger dauerten, kam ich nicht rechtzeitig aus dem Konferenzsaal. Ich versuchte mein Glück mit einem Taxi und kam auch rechtzeitig an. Da ich aber meine Zulassung noch nicht hatte und diese mir erst kurz vor der Begegnung der beiden Päpste übergeben werden sollte, konnte ich dann leider nicht dabei sein. Das fand ich sehr schade, weil ich bereits eine lange Privataudienz bei Papst Tawadros hatte und ich weiß, dass beide Päpste sich sehr schätzen und gemeinsam an der Einheit der Christen arbeiten möchten.

Das gemeinsame Gebet in der alten Kirche Petrus und Paulus neben der Kathedrale war dann auch sehr wichtig. Hier fand an Weihnachten ein Attentatsversuch auf Papst Tawadros statt. Im Taxi nach Zamalek hörte ich die Ansprachen der beiden Päpste. Sie beschwören die Freundschaft der beiden Kirchen und ihre Einheit. Gemeinsam möchten sie mehr machen.

Der Papst des Friedens war als Friedensbotschafter angekommen.

Samstag

Der Samstag war der Tag für die einheimischen Katholiken. Um 10:00 begann die Heilige Messe mit dem Papst. Um an der Messe teilzunehmen, musste man aber sehr früh aufstehen. Die Gläubigen aus Oberägypten waren am Vortag schon in Bussen angereist und die ganze Nacht unterwegs. In Kairo starteten die Busse um 5.00 Uhr, entsprechend früh mussten manche aufstehen. Um 8:00 Uhr sollten die Tore des Stadions schließen.

Nach meiner Erfahrung vom Freitag beschloss ich, nicht an der Messe teilzunehmen. Es war völlig unklar, ob man rechtzeitig von dem Stadion ins Priesterseminar kam. Die Messe schaute ich mir im Konvent im Fernsehen an. Es war eine sehr schöne Messe, die von koptischen Gesängen begleitet wurde.

Glückliche Christen feiern den Papstbesuch. © Nadim K. Ammann

In seiner Predigt machte Franziskus den Ägyptern Mut: Wie die Emmausjünger sollten sie nun in die Welt gehen und Freude, Mut und Glauben zu ihren Mitmenschen bringen. Sie sollten keine Angst haben, weil in der Liebe die Kraft des Glaubens liegen würde.

Wenn man von 200.000 katholischen Christen in Ägypten ausgeht, haben mit 20.000 10 Prozent teilgenommen. Das ist ein schönes Ergebnis! Und den Katholiken tut die gemeinsame Messe mit dem Heiligen Vater gut. Besonders schön war die Freilassung mehrerer Tauben, die dann über dem Stadion in den blauen Himmel flogen.

Gemeinsam mit den Dominikanern fuhr ich zum Priesterseminar nach Maadi. Die Kirche hatte allerdings neben den Seminaristen, Priestern und Ordensleuten noch viele Familienangehörige, Mitarbeiter und Freunde der Kirche eingeladen. Der Platz war sehr groß und nur spärlich mit Schirmen versehen. Bei 30 Grad in der Sonne war das für einige sehr anstrengend, zumal man auch hier zwei Stunden auf den Heiligen Vater warten musste.

Die Veranstaltung mit dem Papst war schön. Es wurde gebetet, gesungen und in der Ansprache betonte der Papst, dass man Versuchungen widerstehen müsse und gab einige Beispiele. So sollte man sich vor Neid und Individualismus schützen. Interessant war auch die „Versuchung des Pharaonismus“, der die Verhärtung des Herzens meint. Man solle sich daran erinnern, lieber selber zu dienen als bedient zu werden. Diese Ermahnungen an die Verantwortlichen in der Kirche hat der Heilige Vater mit sehr bedachten Worten angesprochen.

Außerdem segnete er die Gewänder von drei neuen Seminaristen, das wird ihnen sicher ein unvergessliches Ereignis sein. Die Anwesenden riefen immer wieder „Viva il Papa“ und freuten sich, den Papst aus einer solchen Nähe zu erleben.

Damit war die Papstreise beendet. Nach 27 Stunden fuhr der Papst zum Flughafen. Die Eindrücke sind bei allen gemischt. Alle sind sehr froh, dass der Papst gekommen ist. Viele sind von der Organisation enttäuscht. Jene, die bei der Messe dabei waren, mussten zwei Stunden warten, bis sie aus dem Stadion und mit den Bussen nach Hause kamen. Viele konnten nicht rechtzeitig in Maadi sein und wurden wie ich gestern an der Tür abgewiesen. Das war bitter, hatten sie doch den Eindruck, dass die Polizei sie von „ihrem Papst“ fernhalten würde. Doch die Sicherheitsvorschriften gelten für alle.

Insgesamt hat der Papst des Friedens sehr wichtige Zeichen gesetzt und den Ägyptern Hoffnung in einer schweren Zeit gegeben.

Von Nadim K. Ammann, Diözesanstelle Weltkirche – Weltmission, Generalvikariat Köln

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