Nach der Flucht in den Kongo: Viele Gerüchte, wenig Klarheit

Der kleine Achille unter den Flüchtlingen, den ich vor ein paar Wochen getauft habe. © O. Derenthal

Schon über drei Wochen sind vergangen, dass wir Mobaye verlassen haben. Immer wieder erreichen uns Nachrichten aus der Stadt und aus der ganzen Region; Nachrichten, die zumeist schlecht sind. Vom gewaltsamen Aufeinandertreffen von Seleka und Anti-Balaka, vom Drangsalieren der verbliebenen Bevölkerung und von Plünderungen von Häusern, deren Bewohner geflohen sind.

Und unsere Pfarrei? Am vergangenen Samstag haben wir für ein paar Stunden übergesetzt, um in Pfarrhaus und Kirche nach dem Rechten zu sehen. Es stimmt, auch bei uns hat man versucht einzubrechen, aber nicht viel gestohlen. Eine halbe Stunde etwa, nachdem wir eingetroffen waren, kam einer der führenden Rebellen zu uns, hat uns herzlich begrüßt und konnte es einfach nicht verstehen, dass auch wir in den Kongo gegangen sind. Und dass in Mobaye doch Frieden herrsche, und dass wir alle so rasch wie möglich zurückkommen sollten.

Flüchtlingsunterkunft von Achille und seiner Familie. © O. Derenthal

Frieden?

Wir haben noch einige Sachen mit in den Kongo genommen, andere anderswo versteckt, um dann wieder über den Ubangi zurück nach Mobaye Mbongo (das kongolesische Mobaye gegenüber) und Gbadolite zu gehen.

Wie lange soll die Situation noch so andauern?  Wir haben einen Transporthubschrauber der UNO gesehen, der die Minusca-Truppen aus Mauretanien verstärkt hat. Reicht das? Ich zweifle.

Flüchtlingsfamilie im Kongo. © O. Derenthal

Unterdessen wird die Situation unter den Flüchtlingen immer dramatischer. Die letzten Reserven neigen sich dem Ende zu, mithilfe unserer Leute versuchen wir zu helfen, wo und soweit wir können. Ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Eine politische Lösung aus der Hauptstadt Bangui? Nichts ist in Sicht. Nur unzählige Gerüchte, von Armeeeinsätzen, Aussitzen, Unterstützung der Gegenrebellen durch die Regierung und so weiter. Gerüchte, die beunruhigen.

Immerhin: Seit einer Woche arbeitet das Team des Krankenhauses von Zangba unter den zahlreichen Flüchtlingen in Kambo. Klasse, was die tun, unter schwierigsten Bedingungen.

Mama Marie-Antoinette untersucht einen kranken Jungen. © O. Derenthal

Von Pater Olaf Derenthal

Olaf Derenthal, Spiritaner, Missionar und Krankenpfleger, lebt und arbeitet seit Oktober 2016 in der Zentralafrikanischen Republik. Mit zwei Mitbrüdern begleitet er die junge Kirche in der Pfarrei Mobaye und arbeitet als Koordinator für Gesundheitsprojekte der Diözese Alindao. Wegen zunehmender Konflikte zwischen den Rebellen dort ist er mit seinen Mitbrüdern vorübergehend in den benachbarten Kongo geflohen.

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