Humanitäre Helfer im Kongo blockiert

Der Blick über den Fluss, auf die Zentralafrikanische Republik. © O. Derenthal

Die humanitäre Lage ist dramatisch. Aber sie macht keinen Lärm und wird deshalb auch nicht gehört vom Rest der Welt. Der dritte Monat nach der Flucht ist angebrochen. Noch ist keine nationale oder internationale Hilfsorganisation unter den Flüchtlingen aktiv.

Lebensmut und Hoffnung auf ein baldiges Ende des Bürgerkrieges sind nicht erloschen, aber die Kraft nimmt ab.

In dieser Situation möchte ich Euch an dieser Stelle noch einmal „Danke“ sagen für die vielen Zeichen Eurer Solidarität: Eure Aktionen in Pfarrgemeinden und Öffentlichkeit, Euer Gebet und Eure finanzielle Hilfe. All das kommt an und erlaubt uns, weiterzumachen, sowohl in unserer Pfarrei auf zentralafrikanischer Seite als auch unter den vielen Flüchtlingen auf kongolesischer Seite.

Von unserer Krankenstation in Kambo mit dem Team aus Zangba habe ich schon mehrfach geschrieben. Diese medizinische Hilfe zugunsten der Flüchtlinge, aber auch der einheimischen Bevölkerung geht weiter, Tag für Tag. Dank Eurer Spenden können wir hier in Gbadolite regelmäßig Medikamente und andere Ausrüstung kaufen und nach Kambo bringen.

Behandlung von Opfern der Séléka

Ein Beispiel für die Hilfe, die ankommt: drei Zentralafrikaner Guillaume (42), Héno (20) und Dominique (16) sind in ihren Dörfern oder auf der Flucht Opfer von Angriffen der „Seleka“-Rebellen geworden. Gott sei Dank konnten sie aber rasch auf die kongolesische Seite und anschließend in das Krankenhaus von Gbadolite gebracht werden.

Auf Guillaume hatten zwei Rebellen mit einer Machete mehrfach eingeschlagen und ihm dadurch zahlreiche tiefe Schnittwunden am Kopf, im Gesicht, an Händen und Armen zugefügt. Er konnte sich noch an das Flussufer schleppen, dort ist er zusammengebrochen. Zwei Fischer haben ihn entdeckt und mit ihrer Piroge herübergebracht.

Auf Héno haben die Rebellen geschossen, einfach so. Eine Kugel ist in den Unterschenkel eingedrungen, zum Glück ohne die Knochen zu beschädigen.

Dominique hatte mit seiner Familie auf der Flucht Schutz auf einer der Inseln im Ubangi gesucht. Dort vermuteten die Rebellen „Anti-Balaka“-Kämpfer und feuerten los. Ein Querschläger traf Dominique am Hals.

Alle drei Verletzten haben überlebt. Guillaume ist schon wieder entlassen, Héno und Dominique sind noch weiter in stationärer Behandlung. Und die kostet Geld. Ohne Eure Hilfe wären die drei wahrscheinlich nicht mehr am Leben, denn ohne Vorausbezahlung wird hier im Krankenhaus niemand versorgt. Auch lebensbedrohliche Notfälle nicht. Im Extremfall verblutest Du im Korridor. Und so haben wir ganz unbürokratisch Geld vorstrecken können und einen Großteil der Behandlungskosten übernommen, pro Patient um die 50 Euro. Und tun es noch weiter.

Kinder leiden unter Mangelernährung

In einem anderen großen Dorf namens Lembo leben ebenfalls viele unserer Flüchtlinge, geschätzt zwischen zwei- und dreitausend. Hier unterstützen wir einen kongolesischen Gesundheitsposten, in dem neben der Leiterin Mama Gisèle mittlerweile auch Abraham arbeitet. Abraham ist „sécouriste“ – „Krankenpfleger“ und Chef des kleinen Gesundheitspostens in Bôh auf zentralafrikanischer Seite. Und gleichzeitig sehr engagiert in unserer dortigen Außenstation. Vor ein paar Monaten habe ich noch drei seiner Kinder taufen können (mit seinen drei Frauen hat er eine ganze Menge davon). Wie alle anderen Dorfbewohner ist auch er vor zwei Monaten in den Kongo geflohen.

Der Gesundheitsposten in Lembo. © O. Derenthal

Auch hier erlauben Eure Spenden, dass Flüchtlinge und einheimische Bevölkerung für wenig Geld – in Härtefällen auch völlig kostenfrei – behandelt werden können. Gestern bin ich noch dort gewesen. Unter den wartenden Patienten waren fünf Kinder, alle in einem mehr oder weniger kritischen Zustand. Vier von ihnen boten das klassische Bild von Mangel- bzw. Unterernährung.

Internationale Helfer werden von der Regierung blockiert

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR), das Rote Kreuz, Ärzte ohne Grenzen (MSF) sind vor Ort in Gbadolite, aber nichts geschieht. Oder besser: Nichts kann geschehen. Denn die kongolesischen Behörden geben kein grünes Licht. Sie verweigern den Zugang zu den Flüchtlingen. Die Mühlen der Bürokratie mahlen sehr, sehr langsam, so sagt man uns.

Seit zehn Tagen bin ich im Gespräch mit einem Team von „Ärzte ohne Grenzen“, das aus Bangui gekommen ist. Sie stehen quasi „in den Startlöchern“. Es fehlt die Arbeitserlaubnis aus Kinshasa. Aber Kinshasa ist weit weg. Und die innenpolitische Lage in diesem gewaltig großen Land höchst instabil. Bleibt nur: Warten.

Im zentralen Afrika kann man es mit eigenen Augen sehen und erleben, wie nationale und internationale interessengeleitete Politik die Armen dieser Erde zermalmt.

Aber – Gott sei Dank – ist da immer noch ein Fünkchen Hoffnung, das bleibt.

Von Pater Olaf Derenthal

Olaf Derenthal, Spiritaner, Missionar und Krankenpfleger, lebt und arbeitet seit Oktober 2016 in der Zentralafrikanischen Republik. Mit zwei Mitbrüdern begleitet er die junge Kirche in der Pfarrei Mobaye und arbeitet als Koordinator für Gesundheitsprojekte der Diözese Alindao. Wegen zunehmender Konflikte zwischen den Rebellen dort ist er mit seinen Mitbrüdern vorübergehend in den benachbarten Kongo geflohen.

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