Jeden Tag Fiesta – Der neue Blog aus Nicaragua

Sandra Abrantes Diaz ist Freiwillige vom Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und Missio und ist für ein Jahr in Nicaragua.

Wie versprochen möchte ich euch von meiner Arbeit berichten, der ich hier seit Anfang August nachgehe. Wobei ich sagen muss, dass Arbeit schon fast das falsche Wort ist. Nicht nur, weil ich die große Ehre hatte, bereits an meinem dritten Tag im Heim die Mädchen auf eine Fiesta zu begleiten – nein, vor allem, weil ich sehr viel Freude an meiner Arbeit habe!

Langsam habe ich mich an das Klima hier gewöhnt, aber es ist einfach winterlich heiß! Ich sitze draußen und kann mir nicht vorstellen, dass es etwas erfrischenderes als ein bisschen Kälte gäbe… und dann kommt ein Regenschauer und ich bin dankbar für die eine Stunde, die der Regen die Temperatur auf 27 Grad abkühlen lässt! Ja, Deo ist in letzter Zeit nicht nur mein bester Freund und treuer Begleiter geworden, sondern leider auch mein hoher Kostenfaktor bei diesem Konsum!

Für die Menschen ist dieses Klima natürlich normal und auch die Mädchen im Heim stört der Regen und die Hitze kaum. Momentan sind 29 Mädchen mit verschiedenen Hintergründen im Heim „Madre Albertina“ untergebracht und jede hat schon einen Platz in meinem Herzen eingenommen! Es ist für mich besonders faszinierend, wie die Mädchen miteinander umgehen. Die Jüngste ist vier und die Älteste ist bereits sechszehn. Es treffen also neunundzwanzig Charaktere mit einer Altersamplitude von zwölf Jahren auf mich und schaffen es, dass ich am liebsten das Bett Nummer dreißig beziehen möchte.

Die Kathedrale von Granada in Nicaragua. © Sandra Abrantes Diaz

Jetzt sollt ihr nicht denken, dass es bei mir zuhause nicht schön sei – im Gegenteil – ich bin sehr gut aufgehoben bei meiner Gastfamilie und gehe von Dienstag bis Samstag (da ich samstags arbeite, habe ich Sonntag und Montag frei) folgendem Alltag nach:

Um 5.00 Uhr geht hier der Tag los, der Hahn des Nachbarn fängt an zu krähen und meine Familie stampft nacheinander in die Duschkabine, die sich neben meinem Zimmer befindet, um den Tag mit einer kalten Dusche zu beginnen. Duschen gibt es, aber kein fließendes Wasser, also heißt es meistens (ich hatte bisher zwei Mal das Glück fließend Wasser zu haben!) sich das Wasser mit einer kleinen Schale über den Körper zu gießen. Klingt für euch wahrscheinlich komisch, aber ich habe mich schnell daran gewöhnt und plane morgens schon ein paar Minuten länger ein, da es natürlich die Morgendusche verzögert.

Um 6.00 Uhr klingelt mein Wecker das erste Mal und – natürlich – wird erst einmal auf „Schlummern“ gedrückt. Jetzt ist es schon 6.30 Uhr und ich höre wie meine jüngere Gastschwester das Haus verlässt, weil hier die Schule schon um 6.40 Uhr beginnt. Das letzte Mal drehe ich mich in meinem Bett um und dann geht es auch für mich unter die Dusche. Das Frühstück steht auch schon bereit – Danke Mama Nica– und dann geht es auch schon mit dem Rad zum Heim.

Die Unterkunft bei der Gastfamilie von Sandra. © Sandra Abrantes Diaz

Um 8 Uhr bin ich nun angekommen und muss mich zunächst aus den Umarmungen der Mädchen befreien, um meine Tasche abstellen zu können. Morgens gehen die Kleinen (vier bis sechs Jahre) und die Älteren (vierzehn bis sechzehn Jahre) zur Schule bzw. Vorschule. Dann bleiben noch zwanzig Gesichter, die fragen, was ich denn als Merienda (Zwischenmahlzeit) vorbereitet hätte. Bisher habe ich Kuchen, Kekse, Obst und andere nicaraguanische Spezialitäten verteilt. Hier muss ich auch noch eine Menge von der Köchin lernen, die bereits aufgelistet hat, was sie mir alles beibringen wird.

Gegen 9.30 Uhr sehe ich, wie sich schlagartig die Miene der Mädchen ändert: Hausaufgaben stehen an. Während die einen schnell fertig sind, brauchen andere etwas länger. Ich muss nun mit einem Mädchen ihre Hausaufgaben machen und wir gehören nicht zu den Schnellen. Am Dienstag gibt es dann noch Musikunterricht. Letzte Woche haben alle Mädchen eine eigene Blockflöte bekommen! Was für eine Freude, aber leider nicht für meine Ohren, da alle auf mich zuliefen und mir ihre Flöte zeigen wollten – ohne jedoch auf ihr spielen zu können. Ich hoffe schon auf die nächsten Wochen, wenn sich der Klang verbessert!

Um 11.30 Uhr machen sich die Mädchen für die Schule fertig, die Uniform wird nochmal gebügelt, die Haare gekämmt und dann gibt es vor der Schule noch Mittagessen. Für mich auch. Deswegen fahre ich nach Hause, wo ich von meiner Mama Nica wieder einen leckeren Teller serviert bekomme.

Nach einem kurzen Mittagsschlaf geht es um 14 Uhr weiter. Sicher, es ist ruhiger, aber deswegen nicht langweilig. Jetzt steht auf meinem Plan Englisch und Mathematik. Genau, ich helfe zwei Mädchen, die keine ausreichende Schulbildung erfahren haben, auf die Sprünge und komme nie um viele Witze und Späße herum! Spätestens um 16 Uhr dampft uns der Kopf und ich spiele mit den Kleinen.

Um 17 Uhr schaue ich nie auf die Uhr. Eigentlich wäre dann mein Feierabend, aber irgendwas hält mich immer dreißig, vierzig, fünfzig Minuten länger. Puh, jetzt bin ich zuhaue und freue mich auf meinen Schaukelstuhl, ein leckeres Abendessen und den alltäglichen Film mit meiner Familie.

Und was hat es jetzt mit der Fiesta auf sich?

Prozession und Anbetung zum Fest des Stadtpatrons Santo Domingo. © Sandra Abrantes Diaz

Ich hatte die große Ehre, zehn Mädchen und die Schwestern zu einem Fest in der Hauptstadt, Managua, zu begleiten. In einem Auto mit siebzehn Personen – ja das ist nur hier möglich – ging es um 8 Uhr los zur Prozession des Santo Domingo, des Stadtpatron. Es war so bunt und alle waren fröhlich, eine unglaubliche Stimmung! Von hier aus wurde mir ein wenig die Stadt gezeigt und es ging zur Kathedrale, wo die Prozession ihr Ende hatte. Zunächst gab es aber eine große Tanz- und Musikeinlage in der Kirche, dann pilgerten Menschen auf Knien, mit verbunden Augen oder mit dem Rücken zum Altar die letzten Meter. Dieser Teil war für mich sehr bewegend.

Feierlichkeiten und Prozession zum Fest des Stadtpatrons Santo Domingo. © Sandra Abrantes Diaz

Die Menschen nahmen große Anstrengungen auf sich, sie trugen ihre Kinder als zusätzliche Last auf den Schultern, man sah leidende Gesichter und hörte viele Bitten, die die Menschen im Glauben sendeten. Gefeiert wurde wieder, als das Allerheiligste nun den Altarraum erreicht hatte und es wurde gemeinsam gesungen, getanzt und gebetet.

Feierlichkeiten und Prozession zum Fest des Stadtpatrons Santo Domingo. © Sandra Abrantes Diaz

Die Mädchen und ich waren jetzt schon sehr erschöpft und dann hieß es nach einem leckeren Abendessen, das uns die Schwestern zur Verfügung stellten, im Regen nach Granada zu fahren. „Kein Problem“, wurde mir gesagt, als ich die Regengüsse sah, „wir haben eine Überdachung!“ Ja, die hatten wir tatsächlich: eine Plastikplane. So kam ich abends gegen 21 Uhr trocken und vor Freude von Energie wieder geladen zuhause an und durfte von meinem spannenden Tag berichten. Gracias! Ich bin sehr dankbar das erlebt haben zu können!

Feierlichkeiten und Prozession zum Fest des Stadtpatrons Santo Domingo. © Sandra Abrantes Diaz

So viel Text und trotzdem könnte ich viel mehr schreiben und viel mehr Ausdrücke finden, um zu beschreiben wie schön es hier ist! Ich hoffe, dass auch ihr eine schöne Zeit habt und gesund bleibt – man glaubt es kaum, aber meine Mama Nica hat einen grippalen Infekt (schließlich ist hier ja Winter).

Bis bald!

Von Sandra Abrantes Diaz

Dieser Blogeintrag stammt aus dem Sternsingerblog der Freiwilligen und wurde mit freundlicher Genehmigung von „Die Sternsinger“ und Missio verwendet.

Über Sandra: Hola! Ich bin Sandra Abrantes Diaz, 18 Jahre und komme aus Neuss, einem kleinen Städtchen bei Düsseldorf am Rhein. Von hier werde ich meine Reise nach Nicaragua antreten, um dort in der drittgrößten Stadt, Granada, zu leben. Ich werde in dem Mädchenheim „Madre Albertina“, welches Obhut für missbrauchte uns benachteiligte Mädchen bietet, mitarbeiten. Voller Vorfreude werde ich am 2. August meinen Freiwilligendienst in über 9 000 Kilometern Entfernung antreten. Damit ich meine Erfahrungen mit euch teilen kann, freue ich mich, regelmäßig bloggen zu können.

Mehr Infos zum Freiwilligendienst gibt es auf mein-eine-welt-jahr.de.

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