Wieder zurück in Gbadolite und Mobaye

Ein Mbororo mit seinen Rindern vor unserer Kirche am Sonntag. © O. Derenthal

Die Strecke, die auf der Hinfahrt mit dem Motorrad drei Tage in Anspruch nahm, habe ich auf dem Rückflug in einer Stunde zurückgelegt. Dank eines Platzes in einem UNO-Flieger bin ich am Montag wieder ganz rasch in Gbadolite angekommen. Père Christ-Roi und Prince, unser neugeweihter Diakon, bleiben noch ein wenig in Bangui und kommen in zwei Wochen nach.

So bin ich am Dienstag wieder nach Lembo und Mobaye im Kongo gefahren, um unsere Leute zu treffen, zu hören, was sie aktuell bewegt, und zu erzählen, was wir in Bangui erlebt haben. Zudem wollte ich unbedingt bei Abraham und Mama Gisèle vorbei, um zu sehen, wie das Gesundheitsprojekt läuft.

Die gesundheitliche Situation unserer Flüchtlinge bleibt kritisch, besonders die der Kinder. Aber das Team macht eine tolle Arbeit. Auch wenn wir alle wissen, dass ihr Engagement nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist, so ist’s aber doch eben dieser Tropfen, der den Unterschied macht, bis zur Ankunft der großen Nichtregierungsorganisationen wie „Ärzte ohne Grenzen“ .

Am Mittwoch habe ich wieder in unser Mobaye übergesetzt. Ich kann nicht verhehlen, dass da vor allem das Gefühl der Erleichterung war, als ich unsere noch in der Stadt verbliebenen Leute unversehrt wiedergetroffen habe, vor allem Michel, unseren Wachmann, und Maurice, unseren Koch, die die ganze Zeit im Haus und an der Kirche geblieben sind, als wir in Bangui waren und die Delegation aus Deutschland mit Erzbischof Dr. Ludwig Schick trafen.

Am Donnerstagmorgen konnte ich dann wieder Gottesdienst feiern. Wir waren zu acht. Momente, um das, was wir hier erleben, vor Gott zu tragen… Am Nachmittag habe ich wieder in den Kongo übergesetzt.

Gestern war ich in Kambo, beim Team unseres Krankenhauses aus Zangba. Mittlerweile arbeiten Mama Marie-Antoinette und ihr Team nicht mehr unter freiem Himmel, sondern wir haben ein Haus angemietet.

Und „Ärzte ohne Grenzen“ wartet weiterhin auf die „Arbeitserlaubnis“ aus Kinshasa.

Gleich geht es dann wieder zurück in unser Mobaye, um gerade am Sonntag vor Ort sein zu können. Für mich hat das einen ganz starken Symbolwert, vielleicht schwingt da auch ein wenig „Trotz-Gefühl“ mit: Eucharistie zu feiern, den Gott des Lebens und des Friedens zu bekennen, und dabei umgeben zu sein von bewaffneten Rebellen, von denen ich nicht weiß, was für sie „Frieden“ bedeutet.

Unterwegs mit dem Motorrad

Pater Derenthal mit dem Taxi-Moto. © O. Derenthal

In meinen vergangenen Einträgen habe ich es am Rande immer mal erwähnt: Unser Fortbewegungsmittel ist in der Regel das Motorrad.

Unser Auto und unser Motorrad sind in Mobaye geblieben, in Obhut der mauretanischen Blauhelmsoldaten. Ob sie da wirklich sicher sind, wird die Zukunft zeigen, aber die Fahrzeuge über den Fluss zu schaffen und damit auf kongolesischen Straßen unterwegs zu sein – nein, Danke, auf die ewigen und teuren Diskussionen mit den kongolesischen Behörden habe ich keine große Lust.

Und so sind wir hier auf die sogenannten „Taxi-Motos“ angewiesen, Motorräder, die man sich mitsamt Fahrer mietet, für eine Strecke, oder auch mal für ein paar Stunden, wenn es in abgelegene Dörfer geht, wo man sicher kein Motorrad mehr für die Rückfahrt finden würde. Mit solchen Motorrädern geht es immer wieder über die gute asphaltierte Straße nach Mobaye-Mbongo (Kongo), um von dort aus in unser Mobaye-Banga (Zentralafrika) überzusetzen.

Die halbstündige Fahrt kostet umgerechnet drei Euro. Auch dafür verwenden wir Eure Spendengelder. Mit solchen Motorrädern fahren wir aber auch in die abgelegenen Dörfer, zu unseren Flüchtlingen, über felsige Wege und Sandpisten. Gerade in der Regenzeit ist das manchmal recht „abenteuerlich“… Und mit solchen Motorrädern ging es auch vor vier Wochen nach Zongo und Bangui; da waren wir drei Tage lang unterwegs gewesen.

Übrigens: so neu ist das alles nicht. Das haben schon unsere Spiritaner-Vorfahren so gemacht…

Schon früher nutzten die Spiritaner-Missionare Motorräder als Fortbewegungsmittel. © Fotoarchiv der Spiritaner / Chevilly-Larue

Von Pater Olaf Derenthal

Olaf Derenthal, Spiritaner, Missionar und Krankenpfleger, lebt und arbeitet seit Oktober 2016 in der Zentralafrikanischen Republik. Mit zwei Mitbrüdern begleitet er die junge Kirche in der Pfarrei Mobaye und arbeitet als Koordinator für Gesundheitsprojekte der Diözese Alindao. Wegen zunehmender Konflikte zwischen den Rebellen dort ist er mit seinen Mitbrüdern vorübergehend in den benachbarten Kongo geflohen.

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