Das „Irgendwo-im-Nirgendwo-Abenteuer“

Die Playa Gigante am Pazifik in Nicaragua. © S. Abrantes

Nach einer kleinen Pause möchte ich euch heute von meinem ersten „Irgendwo-im-Nirgendwo-Abenteuer“ erzählen! Auch wenn Nicaragua ein kleines Land ist, landete ich nachts mit leerem Tank in – tja, so genau weiß ich das nicht – irgendwo auf dem Rückweg nach Hause.

Mein Tag fing gestern sehr gut an (und vorweg: er endete auch gut!), denn mit drei anderen Freiwilligen planten wir einen entspannten Sonntag am Strand. Den klassischen Bustrip konnten wir leider nicht machen, da dort sonntags kein Bus hinfuhr.

Deshalb mieteten wir uns günstig ein Auto, das uns viel Zeit ersparte, um an die Playa Gigante zu gelangen. Es war wirklich traumhaft schön!

Gut, der Name Gigante war vielleicht etwas zu vielversprechend, denn der Strandabschnitt gehört sicher nicht zu einem der größten, aber in jedem Fall ist er traumhaft schön!

Blick auf den Strand der Playa Gigante. © S. Abrantes

Und ich feierte Premiere: meine erste Schwimmeinheit im Pazifik! Und ja, es war warm. Kälte gibt es hier eben nur im Kühlschrank oder neben einem Ventilator.

Danach machten wir noch einen kleinen Abstecher zu einer Bucht, die nur wenige Autominuten entfernt war. An der Playa Popoya wurden unsere ersten Eindrücke übertroffen! Einen solchen Strand mit einer großartigen Idylle habe ich noch nie erlebt. Diese Ruhe und Entspannung spiegelte die Mentalität der Nicas so gut wieder.

Den Sonnenuntergang betrachteten wir in einem kleinen Fischerdorf, von wo aus wir dann unsere Rückfahrt antraten – oder besser gesagt unser „Irgendwo-im-Nirgendwo-Abenteuer“:

Und wieso findet man seinen Weg nicht heim?

Diese Frage stellte ich mir tatsächlich, als, nachdem wir glücklicherweise schon die Hälfte der ruckeligen Strecke zurückgelegt hatten (es handelte sich hier um keine richtigen Straßen, die auch gerne von Hunden, Pferden oder Kühen gesperrt wurden), der Weg in eine große Pfütze führte. Und jetzt?

Es war schon dunkel und um uns war nichts außer Natur. Also stiegen zwei aus, um die Wassertiefe zu testen und – welch ein Wunder –wir kamen mit unserem Corolla nicht weiter.

Also hieß es wohl, die mühsam zurückgelegte Strecke zurückzufahren und den anderen Weg zu nehmen (es gab nur zwei).

Alle waren schon sehr müde und wollten nur noch in Granada ankommen. Nur wie, wenn auf einmal der Tank leer ist? Ja, die Tankleuchte blinkte und wir bangten, dass wir bloß nicht liegen blieben.

Da es bis zur Hauptstraße durchaus noch eine Dreiviertelstunde dauern würde, rettete uns eine Familie, die Benzin verkaufte! Ja, wie froh waren wir, dass sie uns mit einem Trichter eine Gallone Benzin einfüllte und die Ankunft in Granada ermöglichte.

Also ich habe wohl noch nie so getankt, so wenige Verkehrsregeln beachten müssen und erst recht nicht so sehr eine asphaltierte Straße vermisst!

Blick aus dem Kanu auf den Nicaragua-See. © S. Abrantes

Ein viel entspannteres Naturerlebnis machte ich bereits letzte Woche, ganz ohne auf ein Kraftfahrzeug angewiesen zu sein auf den Islettas von Granada. An der Küste Granadas (es handelte sich ja eigentlich um ein See-Ufer, aber aufgrund der Größe des Sees nennt man sie hier auch Küsten des Nicaragua-Sees) kamen meine Arme zum Einsatz. In einem Kanu verbrachte ich mit einem anderen Mädchen und unserem Guide drei Stunden auf dem Wasser. Es war nicht zu glauben welch eine umfassende Naturvielfalt dort zu finden war. Noch mehr erstaunte mich die Tatsache, dass 70 Prozent der Islettas besiedelt sind und es dort sogar zwei Schulen gibt.

Jeden Morgen zur Schule paddeln – nicht schlecht. Auch einen Friseur gab es auf einer der Inseln, der die Fahrt in die Stadt erspart.

Besonders staune ich über den Magen dieser Menschen: Das Wasser des Sees wird genutzt – für alles. Richtig, es dient nicht nur zum Wäsche waschen, zur Morgendusche und zum Kochen, sondern auch zum Trinken!

Der Vulkan Mombacho. © S. Abrantes

Das ist für mich natürlich unglaublich schade, weil dadurch dieses traumhaft schöne Leben für mich auf den Islettas unmöglich ist.

Ganz so schlecht habe ich es aber auch nicht hier in Granada mit einem täglichen Blick auf den Mombacho!

Bis zu meinem nächsten Abenteuer!

Von Sandra Abrantes Diaz

Dieser Blogeintrag stammt aus dem Sternsingerblog der Freiwilligen und wurde mit freundlicher Genehmigung von „Die Sternsinger“ und Missio verwendet.

Über Sandra: Hola! Ich bin Sandra Abrantes Diaz, 18 Jahre und komme aus Neuss, einem kleinen Städtchen bei Düsseldorf am Rhein. Von hier werde ich meine Reise nach Nicaragua antreten, um dort in der drittgrößten Stadt, Granada, zu leben. Ich werde in dem Mädchenheim „Madre Albertina“, welches Obhut für missbrauchte uns benachteiligte Mädchen bietet, mitarbeiten. Voller Vorfreude werde ich am 2. August meinen Freiwilligendienst in über 9 000 Kilometern Entfernung antreten. Damit ich meine Erfahrungen mit euch teilen kann, freue ich mich, regelmäßig bloggen zu können.

Mehr Infos zum Freiwilligendienst gibt es auf mein-eine-welt-jahr.de.

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