Angriff auf Mobaye

Bei der Überfahrt im Einbaumboot. Vor uns die zentralafrikanische Seite. © O. Derenthal

Liebe Freunde, zündet mal eine Kerze für unser Mobaye an. Am Montagmorgen haben die Anti-Balakas, die Gegenrebellen, die Stadt angegriffen. Hier im Kongo wissen wir nichts Genaues, nur, dass die Attacke zunächst von den Séléka-Rebellen zurückgeschlagen worden ist.

Aber unsere Leute, mit denen wir am Sonntag noch Gottesdienst gefeiert haben, und all die anderen, sitzen nun fest. Die Stadt ist umzingelt, und die Sélékas lassen niemanden mehr über den Fluss in den Kongo fliehen. Angst und Ungewissheit…

Am vergangenen Montag sind Père Christ-Roi und Prince aus Bangui wieder nach Gbadolite zurückgekommen: Prince, um bei uns sein Diakonatsjahr zu absolvieren, und Christ-Roi, um sich von unserer Gemeinde zu verabschieden.

Abschied von Père Christ-Roi. © O. Derenthal

Nach knapp einem Jahr als Pfarrer in Mobaye wird er eine neue Stelle in Bangui antreten. Als Spiritaner in der Zentralafrikanischen Republik haben wir leider nur eine sehr dünne „Personaldecke“. Zwei Mitbrüder gehen für spezifische Projekte ins Ausland, ein dritter verlässt die Kongregation. Lediglich ein neuer Mitbruder kommt dieses Jahr hinzu, aber der stammt aus Gabun und muss deshalb erst einmal unsere Landessprache Sango erlernen. Um in unseren sechs Spiritaner-Pfarreien im Land weiter Dienst tun zu können, bedeutet das, dass in jeder Gemeinschaft jetzt nur noch zwei Mitbrüder leben können.

Beim Abschiedskaffee für Père Christ-Roi. © O. Derenthal

Für unser Mobaye heißt das konkret: Prince, der erst im August geweihte Diakon, und ich. Und das heißt, dass ich jetzt auch schon alle Aufgaben des leitenden Pfarrers übernehmen muss. Ich habe unserem Provinzial Père William sowie unserem Bischof Cyr-Nestor gesagt, dass ich das alles ein wenig früh finde und mich der Aufgabe noch nicht gewachsen fühle. In Deutschland muss man erst mehrere Jahre Vikar oder Kaplan sein, dann eine Ausbildung machen, die mit einem zu bestehenden Pfarrersexamen abschließt. Das macht meiner Meinung nach auch sehr viel Sinn. Aber die Antwort von Provinzial und Bischof war lapidar und dieselbe: In Zeiten von Rebellion, Krieg und Flucht gelten andere Regeln.

Nach der Messe am Sonntag in unserem Mobaye. © O. Derenthal

Dann schauen wir mal, was das geben wird. Zunächst übernehme ich kommissarisch die Gemeindeleitung, bevor dann irgendwann die offizielle Einsetzung durch den Bischof erfolgt. Wenn wieder Frieden ist. Zumindest ein klein wenig.

Flüchtlingskinder auf kongolesischer Seite. © O. Derenthal

Und so bleibt unsere Pastoral der Versuch einer Seelsorge auf beiden Seiten des Ubangi: Von Freitags bis Montags in unserem Mobaye, unter Séléka-Rebellen, mit einigen verbliebenen Gemeindemitgliedern. Und von Montags bis Freitags zu Gast beim Bischof in Gbadolite, unterwegs unter unseren Flüchtlingen entlang des Flusses auf kongolesischer Seite.

Von Pater Olaf Derenthal

Olaf Derenthal, Spiritaner, Missionar und Krankenpfleger, lebt und arbeitet seit Oktober 2016 in der Zentralafrikanischen Republik. Mit zwei Mitbrüdern begleitet er die junge Kirche in der Pfarrei Mobaye und arbeitet als Koordinator für Gesundheitsprojekte der Diözese Alindao. Wegen zunehmender Konflikte zwischen den Rebellen dort ist er mit seinen Mitbrüdern vorübergehend in den benachbarten Kongo geflohen.

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