Tag der Deutschen Einheit in Nicaragua

Die Freude über ihren ersten Apfelkuchen war groß! © S. Abrantes Diaz

Jetzt bin ich schon seit zwei Monaten von Zuhause weg und muss feststellen, wie schnell einerseits die Zeit vergangen ist und andererseits wie viel ich schon gesehen und erlebt habe.

In den letzten Wochen im Projekt habe ich mit einigen Mädels sehr persönliche Gespräche geführt, die mir gezeigt haben, dass ich für sie nicht die „Deutsche“ bin, sondern auch eine Freundin und Teil der ganzen Gruppe. Besonders die älteren Mädchen suchten bei mir nach Antworten, aber auch nach einer Umarmung und Verständnis. So gerne ich auch dem Wunsch der Mädchen nachkommen möchte, dass wir einmal wöchentlich Zumba tanzen (der Tanzlehrer nennt sich nicht Sandra, sondern „Youtube“), so unmöglich ist es aufgrund der wenigen Zeit die wir haben.

Der Tagesablauf ist hier sehr geregelt. Aufstehen ist um 4.30 Uhr, Frühstück um 6 Uhr und danach werden die Älteren auch schon vom Schulbus abgeholt und kommen erst um 13 Uhr zum Mittagessen. Danach waschen wir zusammen und es werden Hausaufgaben gemacht. Jetzt ist es etwa 16 Uhr und wir könnten tanzen. Aber die Mädchen haben verschiedene Unterrichtseinheiten außerhalb der Schule: Zwei Mal die Woche gibt es Computerunterricht, einmal Religionsunterricht, einmal beten wir zusammen den Rosenkranz und am anderen Tag gibt es eine Art „Mädchenstunde“, in der die Mädchen besonders über Krankheiten und sexuelle Gewalt aufgeklärt werden. Ich hoffe aber sehr, dass ich euch bald berichten kann, dass wir nachmittags das Programm für die älteren Mädchen ein wenig modifizieren konnten.

Sporttag mit 30 Mädchen

Gruppenfoto nach dem Sport. © S. Abrantes Diaz

Am Freitag hatten die Mädchen keine Schule. Das ist hier jeden letzten Freitag im Monat. Deswegen haben wir, das Personal, einen Sporttag organisiert. Los ging es morgens mit dem Einteilen der vier Gruppen und dem Gestalten eines Logos. Gestärkt in ihrem Teamgeist durften die Mädchen in verschiedenen Spielen gegeneinander antreten.

Wir haben unglaublich viel gelacht, geschwitzt und für Muskelkater gesorgt! Stolz hat mein Team den ersten Platz belegt und sich einen leckeren Preis abgeholt. Es gab Schokokekse!

Am Nachmittag haben wir ein Mädchen aus dem Heim besucht, dass vor einigen Wochen operiert wurde und sich leider noch nicht gut von der Operation erholt hat, da sie sich eine Infektion eingeholt hat und sie muss vermutlich erneut ins Krankenhaus. Wir wünschen ihr alle eine schnelle Genesung!

Happy Birthday! Feliz Cumpleaños!

Diesen Monat durfte ich gleich an drei Geburtstagen teilnehmen, die so unterschiedlich waren! Zuerst wurde meine Arbeitskollegin 25 und wir gingen mit dem Personal in Granada gemeinsam raus. Das hat mir sehr gut getan, weil ich für sie dazugehöre und sie sich mir auch anvertraut haben über Schicksale, die ihnen widerfahren sind und sie mit mir teilen wollten. „Weil du unsere Freundin bist“ sagten sie! Und so fühle ich mich auch. Die Arbeit war an diesem Abend ein „Tabu-Thema“ und so konnten wir viel persönlicher miteinander reden.

Danach ging es auf den Geburtstag des Neffen meiner Kollegin, der sechs wurde. Vor dem Haus wurden Plastikstühle aufgestellt, Musik laut gedreht, Essen und Trinken verteilt, eine Piñata aufgehängt und nach dem leckeren (aber natürlich viel zu süßen) Kuchen getanzt. Ich kannte niemanden und dennoch waren alle so herzlich zu mir. Groß und Klein haben zusammen getanzt.

Zum Ende des Monats feierte Julia, meine Gastschwester, ihren 14. Geburtstag. Da hier der 15. Geburtstag groß gefeiert wird (etwa wie bei uns der 18.), gab es dieses Jahr keine Feier. Dennoch haben die Eltern an sie gedacht und um 5 Uhr wurde ich diesmal nicht vom Hahn des Nachbarn wach, sondern von Geburtstagsmusik. Es gab einen Geburtstagskuchen, sowie viele Umarmungen und Glückwünsche. Da ich arbeiten musste, konnte ich nicht mit ihr den Tag verbringen, aber umso überraschter war ich, als ich nach Hause kam und sich auf einmal die Familie im Wohnzimmer versammelt hatte. Man muss hier niemanden einladen, es ist selbstverständlich, dass du an den Geburtstag deiner Familie denkst und sie an diesem Tag besuchst. So wurde Musik angemacht, im Wohnzimmer getanzt, Kuchen gegessen und ihre Patentante bestellte Pizza. Danach haben wir noch zusammen aufgeräumt und gingen spät ins Bett.

Die Vielfalt der Natur

Sandra in der Lagune de Apoyo © S. Abrantes Diaz

Am Wochenende habe ich mich in der Umgebung auf die Suche nach einem ruhigen Ort gemacht, um nach einer stressigen und arbeitsreichen Woche zu entspannen. Was ist dann passender als die Lagune. Also fuhr ich am Sonntag dorthin und entspannte dort. Obwohl es regnete konnte ich bis in den Nachmittag in einer Hängematte entspannen und mit einer Freundin den Tag genießen. Am Montag wurde ich morgens wieder mit Regen begrüßt, was mich zwar ärgerte, aber nicht von meinem Plan abhielt, den aktiven Vulkan Masaya zu besteigen.

Die Lagune de Apoyo. © S. Abrantes Diaz

Okay, ich wollte ihn besteigen, aber da er momentan zu aktiv ist, wurde ich dann dort hochgefahren. Mit viel Glück ging ich bei der Kontrolle als Nica durch. Auch wenn im Heim Besuch ist, sind die Gäste irritiert, wenn ich erzähle, dass ich aus Deutschland sei. Mein erster Vulkan! Man konnte bis tief in den Krater schauen, es war einfach unglaublich!

Der Vulkan Masaya. © S. Abrantes Diaz

Reis und Bohnen

Das esse ich. Jeden Tag. Jetzt denkt ihr vermutlich, dass ich es nicht mehr sehen kann, aber so ist es nicht. Hier wird morgens Gallopinto (Reis mit Bohnen) gefrühstückt, welcher mit Ei, Käse und Kochbananen serviert wird. Die anderen traditionellen Gerichte in Nicaragua sind meist basierend auf Hühnchen oder Fleisch. Richtig, ich habe hier gelernt, dass Hühnchen kein Fleisch ist. Genauso habe ich auch gelernt, dass Käse nicht gleich herzhaft ist. Als es mich in eine Bäckerei zog (die große Sehnsucht nach Brot hat schon begonnen!), stellte ich zunächst fest, dass es hier nur das weiche Brot, welches man von Hot Dogs oder Burgern kennt, in variierter Form und Größe gibt. Also nahm ich etwas, das etwas anders aussah und mit Käse sein sollte. Ein Biss und ich erlebte den Genuss eines Süßgebäcks. Gut, also ich denke ich vertraue nicht mehr auf das, was drin ist, sondern probiere mich durch die Leckereien, um richtig urteilen zu können. Lecker war es dennoch!

Die Vielfalt von Reis und Bohnen begleitet also den ganzen Tag. Auch wenn es Nudeln gibt, ist die Beilage immer Reis mit Bohnen. Eigentlich ganz simpel, denn es ist für Nicas wie für uns das Brot.

Zu meinem Lieblingsgericht ist hier etwas geworden, was auch für Nicas als große Delikatesse gilt. Als ich zum ersten Mal kosten durfte, musste ich schmunzeln. Mit großen Worten wurde mir gesagt, dass es heute etwas ganz besonderes geben würde. Ich hoffe meine Reaktion war nicht allzu irritiert. Die Delikatesse war Bohnensuppe mit Reis. Genau, das Gleiche wie sonst nur als Suppe und mit einem Spritzer Zitronensaft serviert. Aber auch ich freue mich jedes Mal, wenn es wieder Sopa de Frijoles gibt! Ein bisschen möchte ich euch aber dennoch neidisch machen, denn die Obstvielfalt ist hier ganz anders. Ich darf hier lecker Drachenfrucht löffeln und auf Äpfel verzichten, denn die gibt es hier kaum und sie sind sehr teuer.

Wir sind vereint – 3. Oktober

Auch hier! Da für mich der dritte Oktober ein Feiertag ist, habe ich das mit den Mädchen teilen wollen, so wie sie auch mit mir ihre Feierlichkeiten teilen. Daher habe ich mir Gedanken gemacht und ihnen Apfelkuchen gebacken. Die Idee war schnell da, die Umsetzung schwieriger als gedacht. Am Ende habe ich mit meinen Kräften morgens um 6 Uhr den Teig zubereitet. Den habe ich dann mit ins Heim genommen, weil wir zuhause keinen Ofen haben und dort in einem Mikrowellenofen gebacken. Einer war natürlich wenig für 35 Personen, also wurden sie nacheinander gebacken. Das Resultat: Sie haben sich sehr gefreut!

Darüber hinaus bereitete ich noch kleine Karten vor, die ein wenig die Geschichte und den Hintergrund darstellen sollten.

Von Sandra Abrantes Diaz

Dieser Blogeintrag stammt aus dem Sternsingerblog der Freiwilligen und wurde mit freundlicher Genehmigung von „Die Sternsinger“ und Missio verwendet.

Über Sandra: Hola! Ich bin Sandra Abrantes Diaz, 18 Jahre und komme aus Neuss, einem kleinen Städtchen bei Düsseldorf am Rhein. Von hier werde ich meine Reise nach Nicaragua antreten, um dort in der drittgrößten Stadt, Granada, zu leben. Ich werde in dem Mädchenheim „Madre Albertina“, welches Obhut für missbrauchte uns benachteiligte Mädchen bietet, mitarbeiten. Voller Vorfreude werde ich am 2. August meinen Freiwilligendienst in über 9 000 Kilometern Entfernung antreten. Damit ich meine Erfahrungen mit euch teilen kann, freue ich mich, regelmäßig bloggen zu können.

Mehr Infos zum Freiwilligendienst gibt es auf mein-eine-welt-jahr.de.

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