Von Köln nach El Salvador

Tanzgruppe aus El Coro. © Erzbistum Köln/Weyand

Im Vorfeld der Misereor-Fastenaktion ist der Kölner Generalvikar Dr. Markus Hofmann gemeinsam mit dem Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel und Journalisten für eine Woche nach El Salvador aufgebrochen. Im Zentrum der Reise steht die Jugend des Landes.

Der schwierigen Situation zum Trotz packen junge Menschen in El Salvador ihre Zukunft an. Sie gestalten gemeinsam ihr Leben und ihr soziales Umfeld. Für die Reiseteilnehmer geht es darum zu begreifen und zu lernen, wie sie tagtäglich den Mut dazu finden, was sie motiviert:

  • Welche Träume und Hoffnungen haben sie?
  • Was können wir möglicherweise in Deutschland und Europa von ihnen lernen?

Was ist dein Plan? Heute sagen uns die Jugendlichen des Projekts „Mein Lebensplan“, das ein Beispielprojekt der diesjährigen Fastenaktion ist, was sie vorhaben. Im Büro würde ich mich angesichts des Themas jetzt auf eine PowerPoint-Präsentation mit mindestens 30 Folien einstellen, vielleicht mit einem Kaffee dabei und einer Fragerunde im Anschluss. Kaffee gibt es hier auch. Das ist aber auch schon die einzige Parallele.

Als Erstes erwartet uns eine „dinámica“ – eine Art Spiel zur Vorstellungsrunde. Dazu muss ich mich schnell für ein Tier entscheiden, denn zusätzlich zum Namen muss jeder kurz sein Lieblingstier imitieren. Es wird der Löwe, der zu meinem Namenspatron – dem Evangelisten Markus – gehört. Und schon bin ich mittendrin im Spiel. Leider gehöre ich am Ende zur Verlierergruppe, aber das macht nichts. Der Teamgeist war da. Und das ist es, worum es bei diesem Projekt geht.

„Dinámica“ bei dem Projekt „Mein Lebensplan“ © Erzbistum Köln/Weyand

Jugendliche entdecken gemeinsam in einer Gruppe, dass Lernen Spaß machen kann. Spielerisch setzen sie sich mit Werten wie Beständigkeit oder Integrität auseinander. Gleichzeitig bekommen sie Handwerkszeug mit auf den Weg, das ihnen dabei hilft, Struktur in ihr Leben zu bekommen, eine konkrete Perspektive zu entwickeln und sich auf ihre eigenen Stärken zu besinnen. Meine Mitreisenden und ich haben jede Menge Spaß und erfahren gleichzeitig ganz praktisch, wie das Projekt funktioniert.

Miguel spart für die Ausbildung zum Konditor

Mit Miguel und Rosita treffen wir heute außerdem zwei Jugendliche, die ihr Leben mit Hilfe von „Mein Lebensplan“ positiv verändert haben. Miguel arbeitet gemeinsam mit seinen beiden Tanten und seinem Bruder in einer Bäckerei in San Salvador.

Im Rahmen des Projekts hat er sein persönliches Ziel entdeckt, für das er jeden Tag hart arbeitet: Er will die Ausbildung zum Konditor absolvieren. Jetzt spart er alles, was er kann, um diese Ausbildung bezahlen zu können. Es ist sein Traum, sich irgendwann von dem Geld, das er verdient, ein eigenes Haus zu kaufen. Das möchte er dann seinem Großvater zeigen, der ihn aufgezogen hat und einer der wichtigsten Menschen in seinem Leben ist.

Der Kölner Generalvikar Dr. Markus Hofmann mit Miguel. © Erzbistum Köln/Weyand

Zusammenhalt in der Familie von Rosita

Im Gegensatz zu Miguel lebt Rosita auf dem Land. Auf dem Weg zu ihrem Haus müssen wir einen kleinen Hang hinaufklettern. Was für uns trotz der warmen Temperaturen leicht zu bewältigen ist, ist für Rosita eine von vielen täglichen Herausforderungen. Aufgrund einer Krankheit hat sie ein verkürztes Bein und kann sich nur auf Krücken fortbewegen. Ihre Familie ist arm und manchmal ist das Geld so knapp, dass sie nicht ausreichend zu essen haben.

Besonders beeindruckt mich der Zusammenhalt in der Familie. Rositas Mutter hat ihre Tochter überzeugt, an dem Projekt „Mein Lebensplan“ teilzunehmen, obwohl sie eigentlich nicht recht wollte. Ihr Vater wich ihr, als ihre Krankheit mit acht Jahren ausbrach, im Krankenhaus nicht von der Seite. Als Zeichen, dass sie auf ihn zählen kann und er immer bei ihr ist, hat er ihr damals seinen Ehering geschenkt. Rosita kommen die Tränen, als sie uns diese Geschichte erzählt und ich kann nur im Ansatz erahnen, was ihr Vater ihr bedeuten muss. Während unseres Besuchs ist er bei der Feldarbeit. Ich hätte ihn zu gerne kennengelernt.

Rosita hat jetzt einen eigenen Job im Eisenwaren-Laden. © Erzbistum Köln/Weyand

Inzwischen ist Rosita dank des Projekts zur Hauptverdienerin der Familie geworden. Ermutigt und begleitet durch „Mein Lebensplan“ hat sie einen Job in einem Eisenwaren-Laden in San Salvador gefunden und betreibt außerdem eine kleine Hühnerzucht. Ich bin beeindruckt, wie selbstbewusst und redegewandt sie auftritt. Sie sagt, auch das habe sie dem Projekt zu verdanken. Vorher sei sie schüchtern gewesen und habe sich oft entmutigt gefühlt. Das erinnert mich wieder an das Wort von Kardinal Chávez: „Wo der Arme seine Würde entdeckt, kann er Wunderbares vollbringen“.

Ob in El Salvador oder in Köln: „Mach was aus deinen Talenten“

Positive Geschichten wie die von Miguel und Rosita gibt es bei „Mein Lebensplan“ viele. Der mitreißende Enthusiasmus wächst ganz selbstverständlich aus einer bodenständigen Frömmigkeit. Dankbarkeit Gott gegenüber gehört genauso zum Alltag wie Fleiß und Gemeinschaftssinn. Es ist sehr ermutigend, auch diese Seite von El Salvador zu erleben. Das ist etwas, was ich gerne nach Hause mitnehme. Es sind Haltungen, auf die es auch beim Pastoralen Zukunftsweg unseres Erzbistums ankommt: Die Würde, die Gott einem jeden von uns schenkt, zu sehen und anzuerkennen; auf sein Wort zu hören und die Talente, die er mir geschenkt hat, gemeinsam mit anderen einzusetzen.

Die Gruppe aus Deutschland beim Projekt „Mein Lebensplan“. © Erzbistum Köln/Weyand

Das gelingt in El Salvador und verändert die Menschen positiv. Das kann auch bei uns gelingen – und diese Art, Kirche zu sein, wird auch uns und die Kirche positiv verändern. Gott zählt auf meine, auf unsere Mitarbeit. Heute hat er mir durch Rosita und Miguel gesagt: „Mach was aus deinen Talenten: Sei – gemeinsam mit anderen – Zukunft!“

Von Dr. Markus Hofmann, Kölner Generalvikar

Mehr Infos zur Misereor-Fastenaktion im Erzbistum Köln.

Zu den Blogbeiträgen von Dr. Markus Hoffmann.

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