Äthiopische Dichtkunst und Pastoral

Gruppenfoto vom Netzwerktreffen Pastoral Afrika. © Missio Aachen

Das sechste Treffen des Netzwerks Pastoral Afrika fand vom 08. bis 11. Februar in Addis Abeba, der Hauptstadt von Äthiopien statt. An der Zusammenkunft nahmen die Direktoren von 14 Pastoralinstituten teil. Vertreten waren Pastoralinstitute aus Äthiopien, Ghana, Kenia, Mali, Malawi, Mosambik, Nigeria, Sambia, Simbabwe, Südafrika, Tansania und Togo.

Im Fokus des Treffens stand die äthiopische Dichtkunst. © Missio Aachen

Inhaltlich stand das Treffen unter dem Thema „African Oral Cultures and Evangelization“. Im Rahmen des Netzwerktreffens wurde die Bedeutung der mündlich überlieferten äthiopischen Dichtkunst für das äthiopische Christentum erörtert. Dabei präsentierte der äthiopische Gastgeber Dr. Daniel Assefa zusammen mit seinen Mitarbeitern die aktuellen Ergebnisse ihrer zu diesem Thema durchgeführten Feldforschung. Dabei handelt es sich um einen interkonfessionellen Ansatz, der das äthiopisch-orthodoxe mit dem katholischen Christentum in Dialog bringt. Die Studie nimmt traditionelle Schulen in den Blick, an denen liturgische Musik sowie sakrale Tänze gelehrt werden. Besonders fokussiert sie sich auf die Signifikanz sogenannter Poetry Schools, an denen die Dichtkunst ( auf Amharisch: Quinea ) unterrichtet wird. In ihren Vorträgen stellten die Referenten verschiedene dieser Schulen vor, die sie während ihrer Forschungen besucht hatten. Dabei verwiesen sie auf die Funktionen der Poesie sowie die Kontexte und Anlässe, innerhalb bzw. zu denen die Dichtkunst praktiziert wird. Darüber hinaus wurde auf die konkrete Ausgestaltung dieses Unterrichtskonzeptes eingegangen.

Teilnehmer des Netzwerktreffens Pastoral Afrika. © Missio Aachen

Im Kontext der Präsentation der bisherigen Forschungsarbeiten standen drei Fragen im Mittelpunkt: Ist Qinea, die Kunst des Dichtens, eine Form des Theologisierens? Worin bestehen die Vorteile eines poetischen Theologisierens? Und Drittens: wie lassen sich die traditionelle Ausbildung, die auf oralen Überlieferungen basiert, und die moderne Ausbildung nach westlichen Standards in Einklang bringen? Durch die Vorträge wurden kulturelle Schätze des äthiopischen Christentums offengelegt, welche zunehmend in Vergessenheit zu geraten drohen. Ziel der Vorstellung der Feldforschung war es, aufzuzeigen, dass sich die alte äthiopische Tradition der Dichtung in besonderer Weise aus theologisch-biblischem Quellmaterial speist und somit großes Potential in sich birgt, das moderne theologische Curriculum auf kreative Weise inhaltlich zu komplementieren und neu zu erschließen.

Missio war am Netzwerktreffen durch Marita Wagner sowie Prof. Dr. mult. Klaus Vellguth vertreten.

Von Marita Wagner, Referentin der Abteilung Theologische Grundlagen bei Missio Aachen.

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