Was bringt das Friedensabkommen in Zentralafrika?

UN-Blauhelmsoldaten in Bangui. © KNA/Paul Haring/CNS photo

Vielleicht ging es vor ein paar Wochen auch durch die deutschsprachigen Medien: Eine weitere Übereinkunft zwischen der zentralafrikanischen Regierung und den zersplitterten Rebellengruppen ist erreicht worden. Die achte, glaube ich. In Khartum, der Hauptstadt des Sudan. Doch ich bin skeptisch. 

Denn trotz aller Aufforderungen durch die hiesigen Regierungsvertreter, will heißen der neuen Präfektin und dem Unter-Präfekten, sich an die Abmachung zu halten, wurde sie bei uns in Mobaye in den nächsten Tagen schon wieder verletzt.

Was war geschehen? Eine Anti-Balaka-Straßensperre hatte einen ranghohen Séléka-Rebellen entwaffnet und seine Kalaschnikow beschlagnahmt. Der Befehlshaber kehrte gedemütigt mit leeren Händen nach Mobaye zurück und schickte nun seinerseits seine „Soldaten“ auf Strafexpedition aus. Sie griffen an zwei Tagen den Ort der Straßensperre und das Hauptquartier des Anti-Balaka-Kommandanten an. Die Bilanz: Tote, Verletzte, 100 niedergebrannte Häuser. Unzählige Menschen sind aus den betroffenen Dörfern geflüchtet und verstecken sich bis heute im Busch aus Angst vor weiteren Racheakten, 20 bis 30 Kilometer von Mobaye entfernt.

Ein Land der „totalen Anarchie“

Während des zweiten Angriffs war ich in einer unserer Außenstationen unterwegs und habe die Séléka-Rebellen bei ihrer Rückkehr gesehen. „Hallo, Père Olaf“, winken sie mir zu, gut gelaunt. Wir kennen uns aus Mobaye. Da wusste ich noch nicht, was geschehen war. Angst und Anspannung bleiben bis heute im Herzen der Bevölkerung. Die Blauhelmsoldaten reagieren nicht.

Im 106 Kilometer entfernten Alindao ist seit Wochen das zentralafrikanische Militär stationiert. Die Präfektin beteuert, sie habe sich mehrfach an Bangui gewandt, damit die Soldaten vor Ort einschreiten und Sicherheit schaffen. Nichts geschieht. Nichts bewegt sich. Und niemand versteht mehr irgendetwas in diesem Land totaler Anarchie.

Macheten werden abgelegt oder zuhause versteckt

Im Friedensabkommen von Khartum haben sich die Regierung und die zahlreichen untereinander verbündeten oder verfeindeten Rebellengruppen auf einen Waffenstillstand und eine Lösung der nunmehr sechs Jahre andauernden Krise geeinigt.

Einige bewaffnete Gruppen legen ihre Gewehre und Macheten tatsächlich ab – oder verstecken sie in ihrem Haus. Man weiß ja nie, was kommen mag. Vereinzelte Gewaltakte dauern jedoch an. Auch in Mobaye.

Regierung setzt Rebellen als Berater und Minister ein

Als Folge des „Friedensvertrages“ hat es mittlerweile schon zwei „Regierungsanpassungen“ gegeben, denn das Abkommen sieht eine stärkere Beteiligung der Rebellengruppen in der Regierungsverantwortung vor. Einige Minister wurden ausgewechselt, neue Ministerien und Beraterposten geschaffen.

Als „Militärberater“ für die Sicherheit der Region „Nord“ und „Ost“, also auch für unsere Basse-Kotto, wurde der Anführer der Sélékafraktion UPC (zu deutsch: „Union für den Frieden in der Zentralafrikanischen Republik“) ernannt, Ali Darassa. Die UPC umfasst jenen Teil der Rebellen, die auch bei uns in Mobaye herrschen.

Von Pater Olaf Derenthal

Olaf Derenthal, Spiritaner, Missionar und Krankenpfleger, lebt und arbeitet seit Oktober 2016 in der Zentralafrikanischen Republik. Mit zwei Mitbrüdern begleitet er die junge Kirche in der Pfarrei Mobaye und arbeitet als Koordinator für Gesundheitsprojekte der Diözese Alindao. Wegen zunehmender Konflikte zwischen den Rebellen musste er für mehrere Monate mit seinen Mitbrüdern in den benachbarten Kongo fliehen. Mittlerweile konnten sie aber wieder nach Mobaye zurückkehren. Hier finden Sie Auszüge aus seinem Blog .

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