„Von Herzen dankbar“

Barbara Ladenbuger (links) mit ihrem Firmling. © Privat

Wie die Zeit vergeht, nun bin ich schon zwei Monate unterwegs. Die Arbeit mit den Kindern im Hogar Don Bosco macht mir jeden Tag Freude und mehr und mehr wird Bolivien zu meinem neuen Zuhause.

Der Glaube an Gott, das Erleben der Religion und die Sakramente gehören hier zum Alltag. Alle Jungen aus dem Hogar, die mindestens 15 Jahre alt und schon zur Erstkommunion gegangen sind, durften sich in diesem Jahr firmen lassen. Ein halbes Jahr wurden sie auf diesen Tag vorbereitet. Ebenso  wie in Europa sind bei der Firmung die Paten sehr wichtig. Für die Kinder haben die Paten, auf Spanisch „padrinos“, eine noch grössere Bedeutung. Sie sind oft eine der wenigen positiven erwachsenen Persönlichkeiten, die ihr Leben prägen. Die Jungen haben sich also alle Padrinos und Madrinas ausgesucht. Dies gestaltete sich nicht immer leicht, da es einfach viele Kinder sind, die gefirmt werden.

Die stolzen Firmline aus dem Hogar Don Bosco. © Privat

Die stolzen Firmline aus dem Hogar Don Bosco. © Privat

Im Einsatz als Ersatzpatin

Einer der älteren Jungen hatte mich gefragt, ob ich ihn im Gottesdienst als seine Patin begleiten könne. Seine eigentliche Firmpatin ist eine ehemalige Volontärin, die nun wieder in Deutschland ist. Natürlich habe ich mit viel Freude die ehemalige Volontärin an diesem Tag vertreten. Meine Aufgabe als Ersatzpatin begann bereits am Freitag vor der Firmung, als mir eröffnet wurde, dass alle Paten zur Beichte gehen müssen. Das erste Mal auf Spanisch beichten! Das hat mir schon etwas Angst eingejagt und ich war genauso nervös wie die Jungen, die auch zur Beichte gingen. Es war aber eine sehr positive Erfahrung und in Anbetracht der vielen Beichtenden ging es auch recht schnell.

Am Sonntag war der große Tag gekommen. Die anderen Kinder des Projekts gingen schon um acht Uhr in die Messe, so dass um halb zehn die Firmmesse nur mit Angehörigen und Paten gefüllt war. Mit mehr als dreißig Firmlingen aus dem Hogar, einigen aus dem Nachbarprojekt „Mano Amiga“ und noch viel mehr Kindern aus der Kirchengemeinde war es eine stolze Zahl von Firmlingen. Die Messe wurde nicht wie üblich von einem Bischof gehalten, da dieser verhindert war. Stattdessen feierte Padre Octavio, der Leiter der Salesianer hier in Santa Cruz, die Messe. Die Kirche war besonders voll, die Luft war heiss und das Erleben intensiv!

Die Firmmesse war bis auf den letzten Platz besetzt. © Privat

Die Firmmesse war bis auf den letzten Platz besetzt. © Privat

Ein Gefühl von Dankbarkeit und Stolz

Für mich war es ein sehr schöner Moment. Ich war so stolz auf „meine“ Jungen und natürlich besonders auf mein „Leihpatensohn“. Sie alle standen vorne und haben mit Überzeugung ihren Glauben bekannt. Auch wenn es für sie alle keine Frage war, ob sie zur Firmung gehen oder nicht, ist es doch eine sehr wichtige Entscheidung in ihrem Leben. Ich bin sehr dankbar, dass ich auf diese Weise an einem solch wichtigen Moment teilhaben durfte.

Ich war so stolz auf „meine“ Jungen und natürlich besonders auf mein „Leihpatensohn“.

Nach der Messe durften mein Patensohn und ich mit einer anderen Volontärin und ihrem Patensohn ausgehen. Erst gab es Pizza zum Mittagessen. Danach durften sich die Jungen einen Film im Kino aussuchen. Zum meinem Entsetzen wurde ein Horrorfilm ausgewählt, doch auch diesen habe ich mit Freude überlebt. Zum Abschluss des Tages sind wir in den Stadtpark gegangen, um noch ein Eis zu essen. Müde aber glücklich haben wir schließlich unsere Patenkinder im Hogar abgegeben und den Feierabend genossen. Abschließend kann ich sagen, dass ich von Herzen dankbar für diesen Tag bin und ich freue mich auf alle weiteren Momente.

Von Barbara Ladenburger

Hintergrund:

Ab September 2016 engagiert sich Barbara Ladenburger als Don Bosco Volunteer ein Jahr lang in einem Heim für benachteiligte Jungen in Santa Cruz de la Sierra (Bolivien). Neuigkeiten von ihr können Sie auch im Blog der Don Bosco Mission lesen unter https://blogs.strassenkinder.de/baerbelinbolivia/

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