Was ist partizipative Kirche?

Nach der Eucharistiefeier bildete sich eine gewaltige Menschentraube um die Geistlichen aus dem Bistum Speyer. © Bistum Speyer

Volle Ränge, dichtes Gedränge. Zur Eucharistiefeier der Speyerer Kundschafter mit Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann auf den Philippinen sind zahlreiche Menschen gekommen. Danach gab es wieder einen theoretischen Teil, bei dem die Kundschafter etwas über das Konzept „partizipative Kirche“ lernten.

Nach dem Frühstück bringt uns der institutseigene Jeepney nach Bacolod zur Heiligen Messe in der Kathedrale San Sebastian. Obwohl wir trotz Sonntags auf stark frequentierten Straßen mit meist individuell ausgelegten Verkehrsregeln unterwegs sind, bleibt bei der Ankunft noch ein wenig Zeit zur Erkundung der unmittelbaren Umgebung. Die vor der Kathedrale vorbeiführende Hauptstraße überqueren wir am besten als Gruppe – die Chancen Einzelner, beachtet zu werden, wären eher gering.

Hinter dem pittoresken Blumenmarkt grüßen von einem Musikpavillon europäische Klassiker: Beethoven, Haydn, Mozart und Wagner, deren Namen zwischen den Säulen schon von weitem zu erkennen sind.

Kathedrale füllt sich in Windeseile

Die Neun-Uhr-Messe beginnt mit wenigen Minuten Verspätung, weil zunächst die zahlreichen Besucher der Acht-Uhr-Messe das Gotteshaus verlassen müssen. Dann füllt sich die Kathedrale in Windeseile. Alle Seitenportale sind geöffnet, um Menschen und Luft hereinzulassen – schnell drängen sich überall Gläubige. Einen einzigen Augenblick später ist die Kathedrale komplett besetzt, nur einige wenige Stehplätze gibt es noch.

Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann zelebrierte die Heilige Messe, assistiert von Pfarrer Bernhard Braun aus Deidesheim und Kaplan Jens Henning aus Bexbach.

Unser Bischof Karl-Heinz zelebriert die Heilige Messe, assistiert von Pfarrer Bernhard Braun aus Deidesheim und Kaplan Jens Henning aus Bexbach. Unser Exerzitienleiter im Pastoralinstitut, Father Boyet, begrüßt offiziell unsere Delegation. Wir stehen auf und verbeugen uns – riesiger Applaus brandet uns entgegen.

Nach der Eucharistiefeier bildet sich eine gewaltige Menschentraube um die Geistlichen aus unserem Bistum: Viele versuchen, unsere Priester zu berühren, eine Hand zu ergreifen und sie an die eigene Stirn zu führen – gleichermaßen Ehrbezeugung wie Segnungswunsch.

Die Kathedrale San Sebastian war dicht gefüllt. Nach der Messe kamen viele, um den Bischof zu berühren und um Segen zu bitten.

Zurück im Pastoralinstitut müssen wir uns von Father Boyet verabschieden, er wird wieder in seinem Bistum gebraucht. Dann beginnt die zweite Phase unseres Aufenthalts: In einem Seminar lernen wir mehr über Kirchenentwicklung. Am Anfang steht Grundlagenvermittlung zur Ortskirche auf den Philippinen.

Jojit war schon bei unserem Vorbereitungstreffen in Kaiserslautern. Heute erörtert er mit uns Phasen der Kirchenentwicklung © Bistum Speyer

Fünf Formen der Organisation von Gemeinden

Es geht um die Dynamik einer Entwicklung der örtlichen Gemeinden hin zu einer partizipativen Kirche. Fünf Poster stellen unterschiedliche Formen der Aufbau- und Ablauforganisation in den Kirchengemeinden dar: Über die traditionelle „versorgende Kirche“ und die „Kirche der Helfer/‑innen“ kommen wir zur „erwachenden Kirche“, deren Vor- und Nachteile in Kleingruppen herausgearbeitet werden.

Größere Diskussionen werden dann um die „Kirche der Dienste“ geführt, und schließlich widmen wir uns dem Modell, das letztlich Gegenstand unserer Kundschafterreise ist: Der partizipativen Kirche mit Kleinen Christlichen Gemeinschaften (BEC, Basic Ecclesial Communities). Die Idee einer „Gemeinschaft von Gemeinden“ kennen wir in Deutschland auch, demgegenüber hat die philippinische Bischofskonferenz 2017 zum Jahr der Gemeinde als „Gemeinschaft von Gemeinschaften“ (communion of communities) ausgerufen. In Kleingruppen werden verschiedene Fragen aufgeworfen und Lösungsansätze angedacht.

Zurück im Pastoralinstitut – Reflexion in der Kleingruppe © Bistum Speyer

Der Arbeitstag klingt aus mit einer meditativen Einheit, in der noch einmal das zuvor Bedachte geistlich ins Gebet gebracht wird. Mit der täglichen Reflexion beschließen wir den Tag und stimmen uns auf morgen ein.

Von Roland Kuhn, Kundschafter des Bistums Speyer.

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