Wenn ein Zebra den Verkehr regelt

Nanu, wer hat sich denn da verirrt? Ein Verkehrszebra in El Alto. © Marianka Rehm

Nein, um dieses Foto zu machen, war ich nicht etwa im Zoo: Ein solches Bild ist in La Paz und El Alto völlig alltäglich. Logischerweise gibt es in den beiden Großstädten ein ziemlich großes Verkehrsaufkommen und manchmal kann es dabei ganz schön chaotisch sein. Genau deshalb kam vor mehreren Jahren die Idee mit den Zebras als Verkehrshelfer auf.

Hier stellt ein Zebra mit einem roten Stoppschild in der Hand sicher, dass bei roter Ampel auch wirklich jedes Fahrzeug anhält, dort hilft ein Zebra einer älteren, schwer bepackten Dame über die Straße. So arbeiten diese Tiere hier Tag für Tag, sorgen für mehr Sicherheit im Straßenverkehr und zaubern mit ihrer Art ganz nebenbei ein Lächeln auf die Gesichter der Passanten.

Nachdem ich letztes Mal vom Teleférico, der Seilbahn mitten in La Paz/ El Alto, erzählt habe, stelle ich Euch heute das wohl wichtigste Verkehrsmittel überhaupt vor: den Minibus.

Man stelle sich an den Straßenrand und warte, bis ein Minibus mit der richtigen Aufschrift vorbeikommt. Diese sind sehr zahlreich unterwegs und stellen gefühlt die Hälfte aller Fahrzeuge dar, die auf der Straße zu finden sind. Kommt der richtige Minibus angefahren, winke man diesen mit einer kurzen Handbewegung heran. Oft, vor allem auch an zentralen Plätzen, wird lautstark und kaum überhörbar die Fahrtrichtung verkündet. Die kräftigen Stimmen, mit denen die Fahrer oder ihre „Assistenten“ beispielsweise „Ceja Ceja Ceja… !“ rufen und dabei kaum zu atmen scheinen, sind echt bewundernswert! Das praktische am Minibus ist, dass man wirklich ein- und aussteigen kann, wo man möchte. Das Fahrzeug nimmt also wieder Fahrt auf und sogleich wird man von lautstarker (bolivianischer) Musik umgeben (nicht selten auch vom hier natürlich ebenfalls sehr bekannten Song „Despacito“).

Minibusse, das wohl wichtigste Verkehrsmittel überhaupt. © Marianka Rehm

So wichtig wie etwa das Lenkrad und die Bremse ist für einen Minibusfahrer, aber auch für alle anderen, die Hupe. Diese ist kaum wegzudenken und wird einfach immer benutzt, was dann meistens ungefähr so viel bedeuten soll wie „Achtung, aus dem Weg, jetzt komme ICH!“ Dies gilt insbesondere auch an Kreuzungen, denn wer meint, hier gebe es ein Rechts vor Links (Verkehrsschilder gibt es nämlich in El Alto so gut wie keine), der hat weit gefehlt: Auf die eigene Vorfahrt kann man auch einfach mit einem Hupen aufmerksam machen. Damit man dennoch nicht durchgehend rast, sind gefühlt alle paar Meter Erhebungen in die Straße eingebaut, vor denen alle Fahrzeuge abbremsen müssen, um diese passieren zu können. Der Straßenverkehr in einer bolivianischen Großstadt ist wirklich höchst interessant, aber das Allerwichtigste: Er funktioniert!

Vor Kurzem war hier „Tag des Fußgängers“ und offiziell blieben für 24 Stunden (zumindest fast) alle Autos und sonstige Fahrzeuge stehen. Bei einem Spaziergang durch die Stadt bemerkte ich, wie ruhig es im Vergleich zu sonst war. Tatsächlich waren viele Fußgänger und auch Fahrradfahrer unterwegs. Auf einmal wurde es sogar so still, dass es für kurze Zeit so schien, als würde die Stadt den Atem anhalten…

Von Marianka Rehm

Dieser Blog stammt aus dem Sternsingerblog der Freiwilligen und wurde mit freundlicher Genehmigung von „Die Sternsinger“ und Missio verwendet.

Über Marianka: Hola! Mein Name ist Marianka Rehm. Ich bin 18 Jahre alt und komme von der Schwäbischen Alb. Bald geht es für mich von etwa 800 auf fast 4.000 Höhenmeter in die bolivianische Stadt El Alto (= Die Höhe), welche direkt neben dem Regierungssitz La Paz liegt. Dort werde ich ein Jahr lang in der Fundación Palliri arbeiten, ein Projekt, welches sich für benachteiligte Kinder und Jugendliche einsetzt. Ich freue mich sehr und bin neugierig, was mich alles erwarten wird. In diesem Blog werde ich hin und wieder von meinen Erlebnissen und Erfahrungen berichten. Seid gespannt!

Mehr Infos zum Freiwilligendienst gibt es auf mein-eine-welt-jahr.de.

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