Kurz vor dessen Abflug nach Indien fordert das katholische Hilfswerk Missio Aachen Bundeskanzler Friedrich auf, sich bei den Gesprächen mit Premierminister Narendra Modi für einen stärkeren Schutz von Christen, Muslimen und Angehörigen anderer Minderheiten im Land einzusetzen. Diese, so berichtet das Hilfswerk in einer Mitteilung, leiden seit Jahren unter Diskriminierung und Gewalt durch Hinunationalisten.
„Religionsfreiheit ist ein unveräußerliches Menschenrecht und muss in strategischen Partnerschaften als solches klar benannt werden“, sagte Missio-Präsident Pfarrer Dirk Bingener am Samstag. Wenn Deutschland enge politische und wirtschaftliche Beziehungen mit Indien pflege, dürfe dabei das Thema Menschenrechte nicht vernachlässigt werden.
Missio: Restriktive indische Visavergabepraxis für kirchliche Organisationen und Medien aus Deutschland ansprechen
Missio selbst war bereits selbst von einigen Beschränkungen in Indien betroffen. „Es wird für uns immer schwieriger, Visa zu erhalten, um unsere kirchlichen Partner in Indien zu besuchen“, so Pfarrer Bingener. Solche Schikanen erschwerten die Zusammenarbeit zwischen den Hilfswerken und der Kirche in Indien erheblich. „Die Reise des Bundeskanzlers bietet eine Gelegenheit, dieses Problem auf höchster diplomatischer Ebene zu thematisieren.“
ZdK fordert Ende der Gewalt gegen religiöse Minderheiten
In diesem Zusammenhang verwies Missio Aachen auch auf den Beschluss der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) vom vergangenen November, der einen stärkeren deutschen Einsatz für Religionsfreiheit in Indien fordert. Darin rief das ZdK die Bundesregierung auf, „sich für ein Ende von Gewalt, Diskriminierung und Einschüchterung“ religiöser Minderheiten in Indien einzusetzen. „Der Bundeskanzler hat nun die Chance, diese Erwartung der katholischen Zivilgesellschaft in Deutschland zu erfüllen“, sagte Pfarrer Bingener.
Bundeskanzler Merz reist mit einer Wirtschaftsdelegation vom 11. bis 13. Januar nach Indien. Laut Bundespresseamt trifft die Delegation Premierminister Modi in Ahmedabad, der Hauptstadt Gujarats. Von Oktober 2001 bis Mai 2014 war Modi Ministerpräsident von Gujarat. 2002 kam es dort zu einer Gewaltattacke von Hindunationalisten gegen Muslime, bei der über 1.000 Menschen starben. Auslöser war der Brand eines Zuges mit hinduistischen Pilgern, für den Muslime verantwortlich gemacht wurden. In Gujarat gibt es zudem immer wieder anti-christliche Gewaltakte.
weltkirche.de/Missio Aachen

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