Endlich – gestern sind sie angekommen: Der neue Préfet (Präfekt) der Basse-Kotto und die sechs Sous-préfets (Unterpräfekten – ziemlich schräg, diese wörtliche Übersetzung, aber die steht tatsächlich auch so in meinem französischen Wörterbuch). Nach sieben Monaten der Anarchie – Macht hat, wer eine Kalaschnikow besitzt – gibt es wieder eine legitime staatliche Autorität in unserer Präfektur. Eine Präfektur entspricht in etwa einem Bundesland, eine Unterpräfektur lässt sich vielleicht am ehesten mit einem Regierungsbezirk vergleichen. Weiterlesen
Alle Artikel von Redaktion
Ein zerstörter Wallfahrtsort
Heute war ich – nach acht Monaten – wieder einmal ein Pengue, unserem Wallfahrtsort in sieben Kilometern Entfernung von Mobaye. Mit unserem Katechisten Charles haben wir uns zu Fuß auf den Weg gemacht, um Kirche und Gemeinde zu besuchen, ganz spontan und ohne Vorankündigung. Weiterlesen
Ein guter Chor braucht mehr als nur Solisten
Mehr Europa, nicht weniger! Gerade in Zeiten des zunehmenden Rechtspopulismus will der französische Staatspräsident Emmanuel Macron der Europäischen Union neues Leben einhauchen und gemeinsame Ziele für die Union definieren. Genau dieser Impuls ist nötig, auch und besonders in der europäischen Entwicklungszusammenarbeit. Derzeit erscheint sie oft wie ein Chor mit einigen Sängern, die sich gerne als Solisten hervortun würden. In einer sich dramatisch verändernden Welt muss die europäische Entwicklungszusammenarbeit jedoch wie ein guter Chor auftreten – sonst wird sie überstimmt. Weiterlesen
Die Bestia
Die Zugstrecke „La Bestia“, das Monster, verdient ihren Namen: Sie ist für viele Flüchtlinge aus Mittelamerika, die über Mexiko in die USA gelangen wollen, zwar ein Hoffnungsträger, reißt aber immer wieder Menschen in den Tod, etwa wenn einer der Güterzüge entgleist, oder Migranten überfahren werden. Manchen werden auch Gliedmaßen abgefahren wie die Beine. Ob so mancher Mann auf der Straße in Mexiko-Stadt mit Krücken und amputierten Beinen dieses Schicksal erlitten hat?
Carlos hat seine Füße zwar noch, aber laufen kann er trotzdem nicht mehr. Er ist auf seiner Flucht von Honduras nach Mexiko drei Tage lang barfuß gelaufen, weil die Schuhe kaputt gingen. Jetzt ist der 33-Jährige in einer Migrantenherberge in Salto de Agua im mexikanischen Bundesstaat Chiapas untergebracht und läuft nur noch auf den Fußaußenkanten: Sie sind mit Blasen und Wunden übersät. Carlos ist der erste aus seiner Familie, der in der Hoffnung auf ein besseres Leben die gefährliche Reise in Richtung USA wagt – es ist der dritte Anlauf.
Die meisten Migranten sind nicht aus Mexiko selbst, sondern kommen aus Mittelamerika, aus Honduras, Guatemala und El Salvador. Sie gehen teils zu Fuß, teils klemmen sie sich einen Teil der Strecke an die Güterzüge der Bestia, die von Mérida über Palenque, Salto de Agua, Richtung Norden, Oaxaca, Veracruz führt. Die Güterzüge kommen unregelmäßig, mal oft hintereinander, dann wieder tagelang gar nicht. Meist erkennen die Migranten den Zug am lauten Pfeifen oder werden von anderen vorgewarnt.
Die Migrantenherberge in Salto de Agua entstand eigentlich nur, weil dort einer der Güterzüge entgleiste und hunderte Migranten vor der Polizei in die Kapelle flohen. Mittlerweile kommen hier zehntausende Flüchtlinge pro Jahr vorbei: 2016 waren es 11.330 Migranten. Seither leistet der Steyler Missionar Rodolfo Rodriguez gemeinsam mit fünf weiteren Priestern aus verschiedenen Ländern, Franziskanerschwestern und engagierten, vom Glauben inspirierten Freiwilligen Hilfe für die Geflüchteten. Die Flüchtlinge haben hier eine 24-Stunden-Herberge, bekommen Essen und feiern gemeinsam Gottesdienst.

Der Steyler Missionar Padre Rodriguez mit zwei Schwestern, die für die Migranten in der Herberge kochen. © Claudia Zeisel
Wenn die Flüchtlinge erzählen, fließen schnell die Tränen, auch bei den jungen Männern, die Familienmitglieder durch kriminelle Banden verloren haben und selbst viel Angst erleiden mussten. „Die Flüchtlinge reisen mit zwei Rucksäcken,“ erklärt Padre Rodriguez. „Einem materiellen mit Essen und Geld, und einem immateriellen mit der emotionalen Last, die sie mitbringen.“ Hier in der Herberge und der Kapelle wolle man ihnen ihre Würde zurückgeben. Und einen neuen Rucksack, einen spirituellen, der sie auch auf ihrer Weiterreise begleite.
Viele Migranten, die aus Honduras, El Salvador oder Guatemala über Mexiko in die USA wollen, glauben, sie seien beim Übertritt über die Grenze so gut wie in den USA, es fehle nur noch ein kleines Stück. Was sie aber erwartet, ist ein Spießroutenlauf mit vier inländischen „Grenzen“ bzw. Checkpoints mit Militärpräsenz, wo sie aufgegriffen werden können. In der Kapelle in Salto de Agua sind die Flüchtlinge von der Polizei unbehelligt, da es verboten ist, Migranten in einer Kirche festzunehmen. So lauert die Polizei im Auto im hohen Gras am Ortseingang versteckt auf Flüchtlinge. Diese müssen zusätzlich bangen, dass sie nicht von Banden aus der eigenen Heimat, die sich hier in Mexiko gebildet haben, überfallen, geschlagen und ausgeraubt werden. Erst am Vortag ist ein Flüchtling blutüberströmt in der Herberge angekommen, weil er von seinen Landsleuten verprügelt wurde.
Dabei fliehen viele vor Gewalt und Korruption im eigenen Land. Familie Hernandez Ochoha aus Honduras hat mit ihrem fünfjährigen Sohn Carlos in einem Migrantenheim in Palenque Zuflucht gefunden. Familienvater Hector erzählt, dass er mit seinem Kleidergeschäft in seiner Heimatstadt Puerto Cortés gleich an zwei kriminelle Banden Schutzgeld zahlen musste – umgerechnet 700 mexikanische Pesos pro Monat, rund 30 Euro. Auf der Flucht Richtung Mexiko fuhren sie mit dem Bus. Die Schlepper erpressten sie auch hier um Geld und drohten, die Frau und den Sohn nicht mehr aus dem Bus zu lassen, wenn sie nicht 20.000 Pesos, rund 1.000 Euro zahlten. Das war alles, was sie für die Flucht angespart hatten. Jetzt ist die Familie in einem Migrantenheim in Palenque, wo gleich drei Flüchtlingsrouten zusammenlaufen. Hector wird mit seiner Familie wohl hier in Mexiko bleiben und ein Kleidergeschäft aufmachen oder als Klempner arbeiten. Die USA sind in weite Ferne gerückt. Nur Carlos mit den kaputten Füßen will weiter. Aber die werden wohl noch eine Weile brauchen, bis sie wieder verheilt sind.
Von Claudia Zeisel
Diese Eindrücke entstehen im Rahmen der Presse-Reise von Adveniat vom 28.10. – 5.11.2017 nach Mexiko. Sie ist eine Vorbereitung auf die Adveniat-Weihnachtsaktion 2017 mit dem Thema Faire Arbeit. Mehr dazu bei weltkirche.katholisch.de.
Tag der Toten in Mexiko
Der Día de los muertos ist für die Mexikaner ein Fest voller Lebensfreude und Farbenpracht. Während wir in Deutschland um Allerheiligen herum recht kargen Grabschmuck für unsere Lieben auf den Friedhof mitnehmen, werden hier in Mexiko knallbunte Altäre auf den Straßen für die Verstorbenen aufgebaut, mit den berühmten bunten Schädeln aus Zucker oder Keramik, dem Lieblingsessen und -trinken des Verstorbenen, Kerzen und natürlich mit einem Bild des Angehörigen, an den an diesem Tag gedacht wird. Hier geht’s zum Video. Weiterlesen
Das jüngste Königspaar Boliviens
Hallo ihr Lieben! Auch wenn man das auf 4.100 Metern nicht so sehr spürt und eigentlich „an einem einzigen Tag alle vier Jahreszeiten erlebt“, wie mir eine Einheimische einmal erklärte, ist der Winter nun offiziell vorbei und so langsam wird es etwas wärmer. Während bei euch also der Herbst begonnen hat, war hier in Bolivien am 21. September „Dia de la primavera“ (Frühlingsanfang) und gleichzeitig Tag der Freundschaft. Das wurde natürlich kräftig gefeiert. Weiterlesen
Wenn ein Zebra den Verkehr regelt
Nein, um dieses Foto zu machen, war ich nicht etwa im Zoo: Ein solches Bild ist in La Paz und El Alto völlig alltäglich. Logischerweise gibt es in den beiden Großstädten ein ziemlich großes Verkehrsaufkommen und manchmal kann es dabei ganz schön chaotisch sein. Genau deshalb kam vor mehreren Jahren die Idee mit den Zebras als Verkehrshelfer auf. Weiterlesen
Plünderungen, Rauch und Flammen
Nach dem Angriff auf Mobaye am 18. September, der von den Séléka-Rebellen zurückgeschlagen wurde – wir waren ja einen Tag zuvor in den Kongo zurückgekehrt, ohne zu wissen, dass am nächsten Morgen die „Anti-Balakas“ angreifen würden – haben wir abgewartet, wie sich die Lage entwickeln würde. „Abgewartet“ – das heißt, unsere Pastoral und unsere zwei Gesundheitsprojekte unter den Flüchtlingen weiterbetrieben und gleichzeitig voller Sorge auf „unser“ Mobaye geschaut. Weiterlesen
25 Jahre Aktion Hoffnung – ein Grund zum Feiern?
Ende Oktober begeht die Aktion Hoffnung ihr 25-jähriges Jubiläum. Wir finden: eigentlich ein Grund zu feiern! 25 Jahre Aktion Hoffnung bedeuten nämlich ein viertel Jahrhundert Engagement für die Eine Welt und Schonung unserer endlichen Ressourcen durch das Sammeln von gebrauchten Textilien. Weiterlesen
Willkommen im Wilden Westen
Der Autobombenanschlag auf die maltesische Journalistin Daphne Caruana Galizia ist erschütternd. Nicht nur, weil die 53-Jährige ihren Ehemann und drei Söhne hinterlässt, sondern auch weil diese brutale Tat in Europa, in der EU geschehen ist. Weiterlesen









