Beethovens 5. begegnet in Kolumbien urbaner Straßenkultur

Tänzer in einer Tanzschule in der Comuna Uno in Medellín. © Judith Döker/Don Bosco Mission

Für das Projekt „Beethoven Moves!“ ist die Don Bosco Mission Bonn gemeinsam mit dem Beethoven Orchester Bonn ins kolumbianische Medellín gereist, um gemeinsam mit ehemaligen Kindersoldaten und Straßenkindern ein ganz besonderes Kunstprojekt zum Beethoven-Jubiläum 2020 in Bonn vorzubereiten. Ziel ist es, die Musik Beethovens mit Rap- und Straßenkultur zu verbinden. Mit dabei in Medellín war Ulla Fricke, Leiterin der Abteilung Bildung und Kommunikation bei der Don Bosco Mission.

Da stehen wir nun nach 20-stündiger Anreise endlich in Medellín. Haben uns den beängstigend steilen Berg hinaufgequält in einem der schon betagten Schulbusse der Ciudad Don Bosco. Medellín, die kolumbianische Millionenmetropole liegt in einem Talkessel mit dicht besiedelten Hängen auf 1.500 Metern Höhe. Je höher, desto ärmer, lautet die Faustregel. Das merken wir unter anderem daran, dass wir aufgefordert wurden, nicht alleine rauszugehen – erst in der vergangenen Woche gab es wieder tödliche Schießereien. Dafür werden wir mit einer fantastischen Aussicht belohnt. Jeden Abend sehen wir auf das unfassbare Lichtermeer hinab, die Wolkenkratzer und die grüne Landschaft.

Wir, das sind 16 Musiker des Beethoven Orchesters Bonn unter Leitung von Dirk Kaftan und seinem Team, vier Mitarbeiter der Don Bosco Mission Bonn (zu der auch ich gehöre), Regisseur Anselm Dalferth und Rita Baus, Ideengeberin und Projektleiterin von „Beethoven Moves!“.

Mitglieder des Beethoven Orchesters Bonn und Jugendliche aus Medellín bei den Proben. © Don Bosco Mission Bonn

Die Idee, urbane Jugendkultur in Kolumbien mit klassischer Musik zusammenzubringen, hat uns hierher geführt. Anlässlich des 250. Beethoven-Jubiläums in Bonn im kommenden Jahr sind wir auf unsere achttägige Reise zur 5. Sinfonie Ludwig van Beethovens aufgebrochen.

Gespannt, vorfreudig und übermüdet – so beginnt sie. Und mit viel frischem Obst. Das brauchen wir auch, um das dichte Programm aus Bewegungsimprovisationen, musikpädagogischen Einheiten und künstlerischen Workshops zu meistern.

Rita Baus, Ideengeberin und Projektleiterin von „Beethoven Moves!“ mit einem jungen Mädchen aus Medellín bei den Proben zum Projekt. © Don Bosco Mission Bonn

Besonders natürlich „unsere“ 24 Jugendlichen, auf die wir dort erstmals treffen. Unter ihnen sind ehemalige Kindersoldaten, frühere Straßenkinder und Kinder, die Leidtragende des fast 50-jährigen Konfliktes sind, der Kolumbien immer noch belastet. Die Begegnung mit ihnen, ihrer musikalischen Leidenschaft und ihrem Können, diesen tänzerischen Supertalenten, der fantastischen Laura, lokalen Künstlern, wie dem Graffitisprayer Chota aus der Communa 13, dem Viertel, das als Sinnbild für den positiven Wandel von Medellín steht – all das macht diese Reise zu etwas ganz Kostbaren für mich und bestimmt auch für alle anderen.

Diese fünf Tage sind voller Energie und Emotionen. Und sie endet in einem grandiosen Abschlusskonzert, in dem Dirk Kaftan die 5. Sinfonie für Rap-Einlagen und Breakdance-Moves öffnet, das Publikum mit Bodypercussions unterstützt und wodurch deutlich wird, wieviel Relevanz Beethovens Botschaft noch heute hat und wieviel Spaß wir dabei haben, sie zu entdecken!

Das Beethoven Orchester und die Jugendlichen bei der Probe in Medellín, Kolumbien. © Don Bosco Mission Bonn

Als uns am letzten Tag der Bus wieder abholt, es die Hänge wieder hinunter geht, bleibt da ein unglaubliches Gefühl von Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit. Und Vorfreude auf ein Wiedersehen im August 2020, wenn 40 junge Menschen aus Bonn und Medellín zu einem dreiwöchigen Jugendcamp im Bonner Tanzhaus zusammenkommen und sich auf ein noch viel größeres Konzert der 5. Sinfonie mit dem Beethoven Orchester Bonn vorbereiten. Ich werde bei Beethovens berühmtem „Tatatataa“ künftig wohl immer die nächtliche Kulisse von Medellín vor mir sehen und an den 17-jährigen Juan-Camillo denken, wie er voller Stolz das Orchester dirigiert.

Von Ulla Fricke, Leiterin Bildung und Kommunikation bei der Don Bosco Mission Bonn.

Beethoven Moves! ist ein gemeinsames Projekt des Beethoven Orchesters Bonn und der Don Bosco Mission Bonn nach der Idee und unter der Projektleitung von Rita Baus. Musikalische Leitung: Dirk Kaftan, Regie: Anselm Dalferth. Es wird mit Mitteln der BTHVN-Jubiläumsgesellschaft gefördert und auch das Erzbistum Köln beteiligt sich an der Finanzierung der internationalen Jugendbegegnung. 

Mehr Infos zum Projekt unter: www.beethoven-moves.de

1 Kommentare

  1. Avatar

    Liebe Claudia Zeisel,
    ein sehr schöner Artikel unseres Projektes ‚Beethoben Moves‘. Es war eine sehr beeindruckende Reise mit tollen Begegenungen, die Jugendlichen sind unglaublich in ihrer Ausdruckskraft, Empathie und Kreativität ( es gäbe soviel zu berichten). Für mich ist es besonders schön, das meine Idee die auf der Grundlage -Kultur als Menschenrecht -gründet, bei den Jugendlichen zu mehr sozialer Kompetenz, Verantwortungsbe-wusstsein und emotionaler Sicherheit geführt hat. Die Betreuer haben über die Entwicklung berichtet, da der Prozess evaluiert wurde. Sie waren begeistert.
    Herzliche Grüße Rita Baus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.